1.400 Jobs betroffen: Mercedes streicht es in Baden-Württemberg

Vor einem leicht bewölkten, lilafarbenen Abendhimmel ragt der große Mercedes-Stern auf einem Gebäude auf. Er befindet sich auf dem Dach der Firmenzentrale des Autobauers aus Stuttgart.
Symbolbild © imago/imagebroker

Mercedes baut weiter um: Jetzt trifft es in Baden-Württemberg gleich zwölf Standorte mit rund 1.400 Beschäftigten. Hinter den Kulissen laufen bereits konkrete Gespräche über den Verkauf.

Still und leise baut Mercedes seine Struktur um – jetzt geraten Standorte in Baden-Württemberg ins Visier der Konzernstrategie.

Verkaufswelle rollt durch Deutschland

Mercedes-Benz treibt den Verkauf seiner eigenen Niederlassungen in Baden-Württemberg weiter voran. Betroffen sind zwölf Standorte mit rund 1.400 Mitarbeitern. Hinter den Kulissen laufen bereits konkrete Vorbereitungen, während erste Betriebe schon verkauft wurden. Besonders im Fokus steht jetzt Schwäbisch Gmünd. Dort soll noch in diesem Jahr die sogenannte aktive Marktphase starten. Bedeutet im Klartext: Mercedes sucht offiziell Käufer und steigt in konkrete Verkaufsverhandlungen ein. Auch die großen Niederlassungsverbünde in Stuttgart sowie Mannheim/Heidelberg/Landau stehen auf der Liste des Konzerns. Wann genau dort Fakten geschaffen werden, ist allerdings noch offen.

Den Standort Neu-Ulm hat man bereits verkauft. Für die Niederlassung Reutlingen unterschrieb Mercedes Anfang 2026 schon Verträge mit einem Käufer. Der komplette Übergang soll in der zweiten Jahreshälfte erfolgen. Schon seit mehr als zwei Jahren steht fest, dass Mercedes seine konzerneigenen Autohäuser schrittweise abgeben will. Deutschlandweit waren ursprünglich rund 8.000 Beschäftigte in etwa achtzig Betrieben betroffen. Nach lautstarken Protesten aus der Belegschaft einigte sich der Konzern 2024 mit dem Gesamtbetriebsrat auf Schutzmaßnahmen. Dazu gehören der Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen bis Ende 2029, die Tarifbindung der neuen Eigentümer sowie Sonderzahlungen für Mitarbeiter. Bereits verkauft wurden Niederlassungen in Koblenz, Mainz, Dortmund und Lübeck. Anfang 2026 folgten weitere Standorte wie Aachen, Kassel, Hannover und Würzburg. In Berlin-Brandenburg übernimmt die britische Handelsgruppe GAHL gleich sieben Mercedes-Autohäuser.

Lesen Sie auch
Gardena streicht 250 Stellen: Großer Abbau in Baden-Württemberg

Sparprogramm wegen Milliarden-Einbruch

Obwohl Mercedes weiterhin Milliarden umsetzt, läuft das Geschäft längst nicht mehr so glänzend wie früher. Der Gewinn des Stuttgarter Autobauers sackte zuletzt drastisch ab: Nur noch 5,3 Milliarden Euro blieben unterm Strich – etwa halb so viel wie im Vorjahr. Auch der operative Gewinn brach um 58 Prozent ein.

Gründe dafür seien laut Unternehmen das schwächelnde China-Geschäft, hohe US-Importzölle und negative Wechselkurseffekte. Immerhin: Einsparungen von 3,5 Milliarden Euro in der Pkw-Sparte konnten einen Teil der Verluste auffangen. Trotzdem hält Mercedes an seiner neuen Strategie fest – weg von eigenen Niederlassungen, hin zu unabhängigen Händlergruppen. Und offenbar gibt es genug Interessenten: Nach Angaben des Konzerns stoßen die Verkäufe am Markt auf großes Interesse.

(Quellen: eigene Recherche der KA-Insider-Redakteure, dpa)