
Eine jahrhundertealte Geschichte geht zu Ende: Nach 165 Jahren stellt ein Traditionsbetrieb aus der Region den Betrieb ein. Das bedeutet auch, dass viele Menschen ihren Job verlieren.
Die Digitalisierung sowie die Konkurrenz aus dem Ausland werden diesem Traditionsbetrieb zum Verhängnis, weshalb das Familienunternehmen nach unglaublichen 165 Jahren für immer schließen muss.
Digitalisierung und Auslandskonkurrenz: Die Gründe für das tragische Aus
Es ist eine der ältesten Firmen der Region und jetzt geht ihre Geschichte zu Ende. Die H. Wennberg Großbuchbinderei GmbH in Vaihingen an der Enz stellt den Betrieb ein. Das Amtsgericht Heilbronn hat das Insolvenzverfahren über das Vermögen des Traditionsbetriebs eröffnet. Den eingeschränkten Geschäftsbetrieb will man noch bis Ende Februar fortführen, wobei die rund 70 Mitarbeiter ihre Kündigungen bereits Ende Januar erwarten. Mit dem Aus des Traditionsbetriebs nach 165 Jahren verschwindet ein Stück baden-württembergischer Industriegeschichte.
Das Unternehmen war über Jahrzehnte hinweg als Produzent der legendären IKEA-Kataloge bekannt. Doch der schwedische Möbelkonzern stellte diese Druckerzeugnisse bereits 2020 ein. Laut Gesellschafter Martin Wennberg war dieser Verlust eines Großkunden allein nicht existenzbedrohend. Als Hauptgründe für das Scheitern nannte er gegenüber der Stuttgarter Zeitung ein fatales Zusammenspiel mehrerer Entwicklungen: die fortschreitende Digitalisierung, die gedruckte Produkte zunehmend ersetzt, und die Verlagerung von Produktionskapazitäten ins europäische Ausland. Der Markt für klassische Druckerzeugnisse schrumpft ohnehin seit Jahren unaufhaltsam. Dazu kommen Länder wie Polen oder Tschechien, die aufgrund deutlich niedrigerer Energie- und Lohnkosten sowie staatlicher Förderung deutlich preiswerter produzieren.
Mehr als nur IKEA: Vom Katalog-Binder zum Insolvenzfall
Die Insolvenz markiert das Ende des Unternehmens, das 1859 von Hermann Wennberg in Stuttgart gegründet wurde und seit 1994 in Vaihingen an der Enz ansässig war. Neben den IKEA-Katalogen verließ auch der bekannte Shell-Atlas die Produktionshallen der Großbuchbinderei.
Die Insolvenzverwaltung unter Rechtsanwalt Jochen Sedlitz konnte keinen Investor finden, der den Betrieb unter den aktuellen marktwirtschaftlichen Bedingungen weiterführen wollte. Damit wird nach 165 Jahren endgültig das letzte Kapitel eines baden-württembergischen Traditionsbetriebs geschlossen.
(Quellen: eigene Recherche der KA-Insider-Redaktion)














