
Mehr als 180 Sichtungen, hitzige Gerichtsentscheidungen und emotionale Proteste: Der Wolf im Schwarzwald darf noch bis zum 10. März abgeschossen werden – doch die Tierschützer geben nicht auf.
Zahlreiche Sichtungen, hitzige Gerichtsdebatten und ein Wolf, der die Menschen spaltet – im Schwarzwald eskaliert der Streit um ein einzelnes Tier.
Wolf sorgt für Ausnahmezustand im Schwarzwald
Er streift durch dichte Tannenwälder, taucht plötzlich an Spazierwegen auf – und wurde bereits mehr als 180 Mal gesehen: der sogenannte Hornisgrinde-Wolf. Das Tier aus dem Nordschwarzwald sorgt seit Monaten für Aufregung. Nun steht fest: Bis zum 10. März darf er abgeschossen werden. Der Verwaltungsgerichtshof Baden-Württemberg – kurz VGH – hat den Eilantrag der Naturschutzinitiative endgültig abgewiesen. Damit bestätigte das Gericht die Ausnahmegenehmigung des Ministeriums für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden-Württemberg.
Die Richter sehen den Abschuss im Eilverfahren als voraussichtlich rechtmäßig an. Bedeutet: Die Interessen des Landes wiegen schwerer als der Schutz des einzelnen Wolfs. Das Umweltministerium begründet die drastische Maßnahme mit dem auffälligen Verhalten des Tieres. Immer wieder habe sich der Wolf gezielt Menschen genähert. Für die Behörden ein Risiko, das sie nicht länger eingehen wollen.
Tierschützer kämpfen weiter
Doch geschlagen geben wollen sich die Naturschützer nicht. Man werde „den Weg über das Verwaltungsgericht Stuttgart, den Verwaltungsgerichtshof in Mannheim bis zum Bundesverwaltungsgericht gehen“, kündigte Wolfgang Epple, Biologe und Wissenschaftlicher Beirat der Initiative, an. Auch wenn ein solches Verfahren Jahre dauern kann – sie wollen klären lassen, ob die Tötung wirklich rechtmäßig ist.
Wölfe sind nach dem Bundesnaturschutzgesetz streng geschützt. Sie zu fangen, zu verletzen oder zu töten, ist grundsätzlich verboten. Ausnahmen sind nur im Einzelfall erlaubt. Genau auf diese Ausnahme stützt sich das Land Baden-Württemberg. Die Debatte spaltet den Südwesten. In Online-Petitionen sammeln Wolfsfreunde ebenso wie Wolfsgegner Tausende Unterschriften. Während die einen den Wolf als Symbol gelungener Rückkehr wilder Natur feiern, sehen andere in ihm eine wachsende Gefahr. Erst seit rund zehn Jahren leben wieder dauerhaft Wölfe in Baden-Württemberg. Derzeit gelten vier männliche Tiere als sesshaft.
(Quellen: eigene Recherche der KA-Insider-Redakteure, SWR, Verwaltungsgerichtshof Baden-Württemberg)














