Aktivisten eingekesselt: Demo-Eskalation in Baden-Württemberg

Eine Gruppe Polizisten führt einen Demonstranten oder Aktivisten und wahrscheinlichen Klimakleber von der Straße. Im Hintergrund ist ein Polizeifahrzeug zu sehen. Der abgeführte Mann wird getragen und hat ein verkrampftes Gesicht.
Symbolbild © imago/Ralph A. Friedrichs

Bei einer Demo-Eskalation in Baden-Württemberg sind am Wochenende mehr als 300 Gegendemonstranten von der Polizei eingekesselt worden. Pfefferspray, Festsetzungen und schwere Vorwürfe sorgen nun für heftige Debatten.

Stundenlang sitzen Hunderte Menschen fest, umringt von Polizeiketten. Pfefferspray liegt in der Luft, Rufe hallen über den Platz – eine Demo in Stuttgart eskaliert.

Polizeieinsatz: Stimmung kippt auf dem Platz

Was als politischer Protest begann, entwickelte sich am vergangenen Samstag zu einer angespannten Lage mitten in Stuttgart. Mehrere Hundert Gegendemonstranten aus dem linken Spektrum versammelten sich rund um den Marienplatz, um gegen eine zeitgleich stattfindende Kundgebung aus der Querdenker-Szene zu protestieren. Die Aktivisten wollten unter dem Motto „Anarchismus in die Offensive gegen Faschisten“ ein Zeichen gegen rechte Ideologien und für eine offene Gesellschaft setzen. Ziel ihres Protests war die Blockade des Marienplatzes.

Dort hatten sich rund 250 Demonstranten eingefunden, die laut Polizei der Querdenker-Szene zugerechnet werden. Unter dem Motto „Neustart – Baden-Württemberg steht auf. Frieden, Meinungsfreiheit, Bargelderhalt“ demonstrierten sie mit Deutschlandfahnen, Fahnen mit Friedenstauben und verschiedenen Protestplakaten. Auch russische Flaggen sowie Reichskriegsflaggen waren zu sehen. Auf Schildern standen Parolen wie „Keine Weltregierung“.

Polizei greift ein – Demonstranten eingekesselt

Als die Gegendemonstranten den Platz blockierten, forderte die Polizei sie mehrfach persönlich und über Lautsprecherdurchsagen auf, den Bereich zu räumen. Doch viele ignorierten die Aufforderungen. Schließlich drängten Polizeibeamte die Demonstrierenden vom Platz. Dabei soll es laut Polizei zu Angriffen auf Einsatzkräfte gekommen sein: Vermummte Demonstranten hätten Beamte geschlagen und getreten. Die Polizei reagierte mit Schlagstöcken und Pfefferspray. Am Ende bildeten die Einsatzkräfte einen sogenannten Kessel um die Gruppe der Gegendemonstranten. Insgesamt wurden 323 Menschen festgesetzt, ihre Personalien wegen des Verdachts auf Landfriedensbruch aufgenommen. Nach Angaben von Demosanitätern mussten viele der Eingekesselten rund 8,5 Stunden ausharren. Insgesamt seien 71 Menschen medizinisch versorgt worden, 46 davon wegen Pfefferspray. Acht Personen mussten vom öffentlichen Rettungsdienst behandelt werden.

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In sozialen Netzwerken zeigten sich Aktivisten empört über das Vorgehen der Polizei. Unter einem Foto mit einer Polizeikette und zahlreichen Demonstranten schrieben sie: „Deutsche Polizisten schützen Faschisten!“ Die Polizei hingegen betont, dass die ursprüngliche Querdenker-Demonstration selbst friedlich verlaufen sei. In den eigenen Reihen habe es lediglich leichte Verletzungen gegeben. Am Rand der Demonstration kam es zudem zu mehreren Festnahmen. In Haft blieb jedoch niemand. Bei einigen Demonstranten fanden Beamte außerdem Messer – weitere Ermittlungen laufen.

(Quellen: eigene Recherche der KA-Insider-Redakteure, dpa)