Alles steht still: Schon wieder Bahn-Chaos in Baden-Württemberg

Die Fahrgäste steigen in den Zug der Deutschen Bahn und fahren vom Hauptbahnhof zu ihrem Zielort. Vorher holen sie sich am Ticketschalter die Fahrkarte, die dann in den Abteilen kontrolliert wird.
Symbolbild © imago/Panama Pictures

Das Bahn-Chaos in Baden-Württemberg sorgt erneut für Schlagzeilen: Ein plötzlicher Stellwerksausfall bringt den Stuttgarter Hauptbahnhof komplett zum Stillstand – und zeigt, wie anfällig der Zugverkehr in der Region weiterhin ist.

Pendler verlieren die Geduld. Wiederholte Störungen belegen die Schwäche der Infrastruktur. Sie stellt Reisende täglich vor neue Probleme. Stellt sich der Schienenverkehr in Baden-Württemberg den Anforderungen der Zukunft noch oder kapituliert er?

Ausfall legt den Hauptbahnhof lahm

Wer am Montagvormittag am Stuttgarter Hauptbahnhof unterwegs war, brauchte hauptsächlich eines: Geduld. Denn plötzlich stand der Zugverkehr komplett still – auf den Gleisen ging nichts mehr. Die Deutsche Bahn teilte mit, dass gegen 10:45 Uhr ein zentrales Stellwerk ausgefallen war. Erst rund zwei Stunden später gab die Bahn Entwarnung. Das Stellwerk sei wieder vollständig funktionsfähig. Nach Angaben der Bahn war die Stromversorgung des Stellwerks zwischenzeitlich unterbrochen. Zahlreiche Fern- und Regionalzüge wichen während der Störung auf benachbarte Bahnhöfe aus. Züge, die bereits auf freier Strecke standen, wurden ebenfalls zu anderen Stationen geleitet.

Besonders hart traf es auch die Stuttgarter S-Bahn. Sie konnte den Hauptbahnhof selbst nach der Freigabe des Regional- und Fernverkehrs zunächst weiterhin nicht anfahren. Reisenden empfahl die Bahn deshalb, ihre Verbindung vor Fahrtantritt genau zu prüfen. Noch Stunden nach dem Ausfall kam es zu Verspätungen, Zugausfällen und Änderungen im Fahrplan. Bereits am Samstag musste der Zugverkehr am Stuttgarter Hauptbahnhof wegen eines Böschungsbrandes zeitweise eingestellt werden. Auch schon am Freitag hatte ein Kurzschluss an einer Oberleitung den Bahnverkehr massiv beeinträchtigt.

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Pünktlichkeit stürzt wieder ab

Dabei schien die Deutsche Bahn zuletzt auf einem besseren Weg zu sein. Im April waren 64,4 Prozent aller Fernverkehrszüge pünktlich unterwegs. Unter der neuen DB-Chefin Evelyn Palla wurde damit erstmals das interne Pünktlichkeitsziel von 61,9 Prozent erreicht. Doch die Freude hielt offenbar nicht lange. Medienberichten zufolge sackte die Pünktlichkeit im Juni an einzelnen Tagen auf unter fünfzig Prozent ab. Als Hauptursache gilt das zunehmende Baustellenchaos im deutschen Schienennetz. Immer mehr Bauprojekte verzögern oder überschneiden sich.

Zusätzliche Kritik kommt vom ADAC. Zwar informiere der DB Navigator häufig frühzeitig über Fahrplanänderungen, doch die Angaben seien oft unzuverlässig. Nur in etwa zwei Dritteln der untersuchten Fälle stimmte die angezeigte Abfahrtszeit tatsächlich. Der ADAC fordert mehr Transparenz bei der Pünktlichkeitsstatistik sowie automatische Übertragung reservierter Sitzplätze auf Ersatzverbindungen oder eine angemessene Entschädigung der betroffenen Fahrgäste.

(Quellen: dpa, Deutsche Bahn, eigene Recherche der KA-Insider-Redakteure)