Alte Schwarzwald-Stadt kämpft gegen riesiges Windrad-Projekt

Felder mit mehreren Windrädern, die erneuerbare Energie erzeugen. Zwischen den Feldern liegt ein Weg. Der Himmel ist klar, blau und wolkenlos. Im Hintergrund sind Bäume zu sehen.
Symbolbild © istockphoto/ezypix

Eine Schwarzwald-Stadt kämpft gegen ein gewaltiges Windrad-Projekt auf einem nahegelegenen Berg. Gegner warnen vor gravierenden Folgen für das historische Stadtbild, den Tourismus und die Zukunft des beliebten Urlaubsortes.

Ein geplanter Gigant auf einem Schwarzwald-Berg sorgt für Ärger. Viele fürchten um das Stadtbild – und um die Zukunft eines beliebten Urlaubsortes.

Windrad würde über Stadtbild thronen

Wer an Alpirsbach denkt, denkt meist an Bier, denn das berühmte Alpirsbacher Klosterbräu hat den Namen der kleinen Stadt im Schwarzwald weit über die Region hinaus bekannt gemacht. Doch nun droht ein anderes Wahrzeichen die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen – und zwar ein gewaltiges Windrad. Die rund 6.000 Einwohner zählende Stadt liegt malerisch im oberen Kinzigtal. Über ihr erhebt sich das ehemalige Benediktinerkloster, das vor fast 1.000 Jahren gegründet wurde. Gemeinsam mit dem historischen Stadtkern prägt es das unverwechselbare Bild Alpirsbachs.

Genau dieses Bild könnte sich bald verändern. Auf dem Reutiner Berg südöstlich des Stadtzentrums soll ein Windrad entstehen, das inklusive Rotoren auf eine Höhe von 230 Metern kommt. Die Anlage könnte Strom für rund 3600 Haushalte erzeugen. Vom Tal aus wäre das Windrad jedoch weithin sichtbar. Die Sorge: Touristen könnten sich künftig für andere Ferienorte entscheiden. Für Alpirsbach wäre das ein Problem. Schließlich konnte die Stadt zuletzt rund 60.000 Übernachtungen verzeichnen – ein wichtiger Wirtschaftsfaktor für die finanziell angeschlagene Kommune.

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Überraschender Vorstoß sorgt für Empörung

Besonders groß ist der Ärger darüber, wie das Projekt wieder auf die Tagesordnung kam. Bürgermeisterin Vanessa Schmidt (SPD) kündigte bereits energischen Widerstand an. Im Rathaus spricht man von einer völlig überraschenden Entwicklung. Eigentlich galt das Thema als erledigt, doch Ende Februar tauchten die Pläne plötzlich wieder auf. Hinter dem Vorhaben stehen die Stuttgarter Stadtwerke, denn sie wollen den Ausbau erneuerbarer Energien vorantreiben und verweisen auf den Beitrag zum Klimaschutz. Tatsächlich spielt Windkraft eine zentrale Rolle in Baden-Württembergs Energiewende, denn das Land will bereits bis 2040 klimaneutral sein – fünf Jahre früher als Deutschland insgesamt.

Windenergie gilt als wichtigste erneuerbare Stromquelle Deutschlands. Nach Angaben von Experten arbeiteten 2023 mehr als 124.600 Menschen in der Branche. Zudem werden durch Windstrom jedes Jahr rund 106 Millionen Tonnen CO₂ vermieden. Ob das Windrad auf dem Reutiner Berg tatsächlich gebaut wird, ist jedoch noch offen. Die Entscheidung hängt von Genehmigungen und wirtschaftlichen Bedingungen ab.

(Quellen: Schwäbische Zeitung, eigene Recherche der KA-Insider-Redakteure)