
Plötzlich sind die Klassenzimmer leer, denn die Schüler müssen raus. In Rottweil sorgt ein Asbest-Fund für Aufregung. Tausende Jugendliche können vorerst nicht wie gewohnt zur Schule.
Rund 3.000 Schüler müssen in Rottweil auf ihren Unterricht im Klassenzimmer verzichten. Was hinter der Sperrung steckt, sorgt für Aufsehen.
Alarm im Schulzentrum
Kaum hat das neue Schuljahr begonnen, ist für Tausende Jugendliche in Rottweil schon wieder Schluss mit normalem Unterricht. Türen bleiben verschlossen, Klassenräume sind gesperrt, der Schulalltag wurde auf den Kopf gestellt. Betroffen sind die Nell-Breuning-Schule und die Erich-Hauser-Schule im Berufsschulzentrum. Der Grund: Bei Raumluftmessungen wurden in Teilen des Gebäudes erhöhte Konzentrationen von Asbestfasern festgestellt. Zunächst waren nur einzelne Bereiche betroffen. Doch später wurde vorsorglich das gesamte Berufsschulzentrum geschlossen.
Für die rund 3.000 Schüler heißt das: digitaler Unterricht statt Unterricht im Klassenzimmer. Einige Klassen, darunter Prüfungsklassen, konnten inzwischen an Ausweichstandorten untergebracht werden. Unterstützung kommt unter anderem vom Droste-Hülshoff-Gymnasium in Rottweil, von Unternehmen wie Mahle und der Kreissparkasse sowie von Bildungsakademien, Stiftungen und weiteren Standorten. Bei einem Informationsgespräch versucht Gesundheitsamtsleiter Heinz-Joachim Adam, die Sorgen zu nehmen. Nach seiner Einschätzung bestand realistisch gesehen keine Gefahr für Schüler und Lehrer. Seine Einschätzung stützt er auf anerkannte Richt- und Grenzwerte für Innenräume.
Trotzdem bleibt ein mulmiges Gefühl
Asbest gilt als potenziell krebserregend. Jede zusätzliche Belastung soll deshalb möglichst vermieden werden. Besonders problematisch ist der Gefahrstoff bei sehr hoher und langjähriger Belastung, wie sie etwa früher an Arbeitsplätzen mit intensivem Asbestkontakt vorkam. Nun misst man im Berufsschulzentrum weiter. Erst wenn die Untersuchungen abgeschlossen und die betroffenen Bereiche entsprechend bewertet sind, kann über eine vollständige Rückkehr zum normalen Schulbetrieb entschieden werden. Wie lange das dauert, ist derzeit offen.
Und Rottweil ist damit mit einem Problem konfrontiert, das weit über die Klassenzimmer hinausgeht. Asbest ist in Deutschland zwar seit mehr als dreißig Jahren verboten – aus alten Gebäuden ist der Stoff aber längst nicht verschwunden. 2025 starben allein bei der BG BAU 291 Versicherte an den Folgen asbestbedingter Erkrankungen. Damit bleibt Asbest die häufigste Ursache tödlicher Berufskrankheiten in der Bauwirtschaft. Der Grund liegt in der Vergangenheit: Millionen Wohnhäuser, Schulen, Bürogebäude, Industriehallen und öffentliche Gebäude entstanden zu einer Zeit, als Asbest als günstig, langlebig und besonders brandsicher galt.
(Quellen: Landratsamt Rottweil, Gesundheitsamt Rottweil)














