Auch Einzelhandel: Verdi weitet Streiks aus in Baden-Württemberg

Eine große Menschenmenge, die an einer Demonstration teilnimmt. Einige Menschen tragen eine Fahne der Gewerkschaft Verdi. Einige Leute halten einen Trinkbecher in der Hand. Im Hintergrund sind mehrere Gebäude zu sehen.
Symbolbild © imago/Funke Foto Services

Der Tarifstreit im Handel spitzt sich weiter zu: Verdi weitet die Streiks aus und ruft Beschäftigte in ganz Deutschland zum Warnstreik auf. Auch in Baden-Württemberg sind zahlreiche Betriebe betroffen.

Für viele Kunden dürfte es zunächst kaum auffallen. Doch hinter den Kulissen brodelt es gewaltig: Im Handel verschärft sich der Tarifstreit.

Der Tarifstreit nimmt weiter an Fahrt auf

Die Gewerkschaft Verdi weitet ihre Warnstreiks nun deutlich aus. Am Donnerstag und Freitag sollen Beschäftigte im Einzelhandel sowie im Groß- und Außenhandel in allen Bundesländern die Arbeit niederlegen. Auch zahlreiche Betriebe in Baden-Württemberg sind betroffen. Verdi begründet die Aktionen mit den aus ihrer Sicht unzureichenden Angeboten der Arbeitgeber. Die Gewerkschaft fordert einen schnellen Tarifabschluss, der die Leistungen der Beschäftigten angemessen honoriert.

Die Zahlen zeigen, warum die Tarifrunde für viele Beschäftigte so wichtig ist. Nach Angaben von Verdi arbeiten knapp zwei Drittel der Beschäftigten im Einzelhandel in Teilzeit. Zudem verdient rund jeder dritte Vollzeitbeschäftigte in der Branche lediglich den Mindestlohn oder nur wenig mehr. Auch der Anteil der Minijobber liegt mit rund 30 Prozent deutlich über dem Durchschnitt anderer Branchen. Hinzu kommen Arbeitszeiten, die viele Arbeitnehmer belasten: Schichtdienste, Abend- und Samstagsarbeit gehören im Einzelhandel für zahlreiche Beschäftigte zum Alltag. Verdi fordert deshalb eine Entgelterhöhung von sieben Prozent, mindestens jedoch 225 Euro mehr pro Monat. Die Laufzeit des neuen Tarifvertrags soll zwölf Monate betragen.

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Arbeitgeber und Gewerkschaft liegen weit auseinander

Die Arbeitgeberseite sieht dagegen deutlich geringere Erhöhungen vor. Im Groß- und Außenhandel wird laut Verdi eine Entgeltsteigerung von insgesamt 3,4 Prozent angeboten – allerdings bei einer Laufzeit von 24 Monaten. Im Einzelhandel sollen Beschäftigte sogar zunächst sechs Monate lang leer ausgehen. Danach ist eine Erhöhung um zwei Prozent vorgesehen, gefolgt von weiteren 1,5 Prozent nach weiteren drei Monaten. Für Verdi reicht das bei Weitem nicht aus. Die Gewerkschaft hat deshalb bundesweit zu Warnstreiks für mehr als fünf Millionen Beschäftigte aufgerufen.

Der Handelsverband Deutschland versucht unterdessen zu beruhigen. Kunden müssten trotz der Arbeitsniederlegungen nicht mit spürbaren Einschränkungen rechnen. Die Unternehmen seien auf die Streiks vorbereitet. Für die Gewerkschaften bleibt jedoch ein weiteres Problem bestehen: Immer weniger Betriebe sind tarifgebunden. Während 2010 noch fast jeder dritte Einzelhandelsbetrieb nach Tarif zahlte, ist es inzwischen nicht einmal mehr jeder fünfte. Auch bei den Beschäftigten sinkt die Tarifbindung drastisch.

(Quellen: eigene Recherche der KA-Insider-Redakteure)