
Beim Audi-Werk in Neckarsulm steigt die Unruhe: Für Tausende Beschäftigte geht es um ihre berufliche Zukunft – und für die Region um zukünftige Steuereinnahmen und wichtige Arbeitsplätze.
In Neckarsulm wächst die Sorge um die Zukunft des Audi-Werks. Hinter den Protesten steckt ein Milliarden-Risiko – und für Tausende Beschäftigte steht viel auf dem Spiel.
Es ist ein Milliarden-Risiko für VW
Die Stimmung ist angespannt, die Sorgen sind groß: Bereits zum zweiten Mal haben Beschäftigte des Audi-Werks in Neckarsulm lautstark für ihren Standort demonstriert. Ihr Ziel: eine Perspektive über das Jahr 2034 hinaus. Denn genau dann könnte es kritisch werden. Für die Zeit ab 2034 gibt es bislang keine konkreten Planungen, welches Modell in Neckarsulm gebaut werden könnte. Bleibt ein Nachfolger aus, steht eine Frage im Raum, die für die Region dramatische Folgen hätte: Was wird aus dem Werk? VW-Konzernchef Blume bezeichnete Werksschließungen als die „teuerste Lösung“. Doch wie teuer wäre das tatsächlich? Intern kursieren offenbar bereits konkrete Zahlen.
Insgesamt gelten laut Berichten vier Standorte als besonders gefährdet: Hannover, Emden, Zwickau – und Neckarsulm. Würden alle vier Werke geschlossen, könnte das den VW-Konzern demnach rund 16 Milliarden Euro kosten. Allein das Aus für Neckarsulm soll dabei mit rund zwei Milliarden Euro zu Buche schlagen. Hinzu kommen die Kosten für den geplanten Abbau von bis zu 60.000 Stellen weltweit. Dafür werden rund zehn Milliarden Euro veranschlagt. Die IG Metall geht laut Medienberichten jedoch von einer deutlich höheren Summe aus.
Die Rechnungen hinter dem Job-Abbau
Mit Audi würde nicht nur ein großer Arbeitgeber wegfallen. Auch Zulieferer, Dienstleister, Händler und viele andere Unternehmen wären betroffen. Für Neckarsulm selbst steht zudem viel Geld auf dem Spiel. Die Stadt nahm 2025 mehr als 100 Millionen Euro Gewerbesteuer ein. Wie viel davon auf Audi entfällt, wird nicht exakt ausgewiesen. Für dieses Jahr wird allerdings bereits mit einem deutlichen Rückgang gerechnet.
Und das Audi-Problem kommt in einer ohnehin angespannten Lage der deutschen Industrie. Zwar stiegen die Industrieumsätze im zweiten Quartal 2026 um 4,7 Prozent auf 556,4 Milliarden Euro. Gleichzeitig sank jedoch die Zahl der Beschäftigten im verarbeitenden Gewerbe. Besonders die Autoindustrie steht unter Druck. Der Verband der Automobilindustrie rechnet bis 2035 mit einem Verlust von rund 225.000 Arbeitsplätzen. Bereits zwischen 2019 und 2025 seien rund 100.000 Jobs weggefallen.
(Quellen: Volkswagen, Audi, Stadt Neckarsulm)














