Audi-Werk droht das Aus – Ex-Minister rechnet mit Autobossen ab

Ein modernes Audi-Gebäude mit einer Metallfassade. An der grauen Fassade sind die vier silbernen Audi-Ringe und der rote Audi-Schriftzug angebracht.
Symbolbild © istockphoto/typo-graphics

Audi steckt tief in der Krise: Für den traditionsreichen Standort Neckarsulm droht das Aus. Jetzt rechnet ein Ex-Minister mit den Autobossen ab und benennt klare Fehler.

Ein Traditionsstandort kämpft ums Überleben, die Belegschaft bangt um ihre Jobs. Jetzt legt ein Ex-Minister den Finger tief in die Wunde.

Vorwürfe vom Ex-Minister: Fehleinschätzung der Autobosse

Beim Audi-Standort in Neckarsulm wird es ernst, denn die Zukunft des Werks im Kreis Heilbronn ist ungewiss. Bis Ende Juni 2027 sollen die Fabrikkosten auf ein wettbewerbsfähiges Niveau gedrückt werden. Erst dann gibt es überhaupt eine Perspektive für den Standort. Für Walter Döring, früherer Wirtschaftsminister Baden-Württembergs, kommt diese Entwicklung nicht überraschend. Der FDP-Politiker, der von 1996 bis 2004 im Amt war, sieht die Verantwortung nicht allein bei den aktuellen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Im Gespräch mit dem SWR geht er hart mit der deutschen Autoindustrie ins Gericht. Seine Kritik: Nach großen Erfolgen habe sich in den Konzernspitzen eine gefährliche Selbstsicherheit breitgemacht, denn man habe geglaubt, „uns kann niemand“ – und damit eine fatale Fehleinschätzung begangen.

Besonders bitter sei aus Dörings Sicht der Umgang mit der Elektromobilität gewesen. Während andere Hersteller den Wandel früh erkannten, habe man in Deutschland das Thema teilweise belächelt. Die Folgen seien heute deutlich zu spüren. Döring spricht von „Managementfehlern“. Wie dramatisch die Lage inzwischen ist, zeigen aktuelle Beschäftigungszahlen. Im ersten Halbjahr 2026 arbeiteten in der deutschen Automobilindustrie nur noch rund 691.500 Menschen. Das sind 42.300 Beschäftigte weniger als ein Jahr zuvor – ein Minus von 5,8 Prozent. Damit fällt die Beschäftigung auf den niedrigsten Stand seit 2005.

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Elektro-Wende wird zum Job-Schock

Der Umbau zur Elektromobilität verändert die Branche grundlegend. Elektroantriebe kommen mit deutlich weniger komplexen mechanischen Komponenten aus als klassische Verbrennungsmotoren. Das kostet Arbeitsplätze – hauptsächlich bei der Fertigung von Antriebssträngen. Unter dem Strich könnten laut einer Fraunhofer-Studie allein dort rund 75.000 Jobs wegfallen.

Viele Deutsche wünschen sich mehr Unterstützung für die Branche. Laut einer repräsentativen Umfrage für den ARD-DeutschlandTrend sind 62 Prozent dafür, dass der Staat der heimischen Autoindustrie besonders unter die Arme greift.

(Quellen: Audi, Land BW)