
Eine alte Burg in Baden-Württemberg wird jedes Jahr zur Bühne eines spektakulären Rituals: Hoch über Schramberg leuchtet plötzlich eine geheimnisvolle Katze – und läutet die Fasnet ein.
Ein geheimnisvolles Leuchten über Schramberg sorgt jedes Jahr für Aufsehen. Hoch oben an alten Mauern wacht eine Katze – und kündigt die fünfte Jahreszeit an.
Hoch über der Stadt beginnt das Spektakel
Wer in der kalten Jahreszeit durch Schramberg spaziert, rechnet nicht unbedingt mit einer leuchtenden Katze am Himmel. Doch genau das passiert jedes Jahr zur Fasnet. Sobald der Ruf „Hoorig, hoorig isch dia Katz“ durch die Gassen hallt, wissen die Einheimischen: Jetzt geht es los! Der schwäbisch-alemannische Narrenspruch ist tief verwurzelt, denn bereits 1856 wurde er erstmals schriftlich erwähnt – selbst ein zwischenzeitliches Verbot konnte ihm nichts anhaben. Bis heute eröffnet er den berühmten Schramberger Narrenmarsch, den Walter Pfeifle 1952 komponierte. Und über allem thront sie: die „Hoorig Katz“.
Doch sie hängt nicht irgendwo. Ihr Platz ist spektakulär – an der Ruine der Burg Hohenschramberg. Die mächtige Festung wurde ab 1457 erbaut. Sie zählt zu den letzten großen Burgenbauten Deutschlands. Einst trotzte sie Belagerungen, heute bietet sie einen grandiosen Blick über die Stadt. Während der Fasnet aber wird sie zur Bühne eines besonderen Rituals.
Kraftakt mit Symbolkraft
Das Anbringen der LED-Figur ist kein einfacher Job. Verantwortlich sind der Elferrat und die Schlosserfamilie King aus Lauterbach. Mit viel Technik, Muskelkraft und Teamarbeit wird die leuchtende Katze an der historischen Mauer befestigt. Wenn sie schließlich strahlt, ist das für viele der emotionale Startschuss der närrischen Zeit. Die „Hoorig Katz“ ist dabei weit mehr als Dekoration. Sie ist das Herzstück der Schramberger Fasnet – allgegenwärtig auf Umzügen, Plakaten und in Liedern. Ihr Name sorgt oft für Schmunzeln, doch für die Narren ist sie identitätsstiftend.
Und wie heißt das närrische Treiben eigentlich? In Bayern spricht man meist vom Fasching, im Rheinland – etwa in Köln oder Düsseldorf – vom Karneval. In Rheinland-Pfalz und Nordbaden sagt man Fas(e)nacht, während man in Württemberg und Südbaden vielerorts die Fasnet feiert. Alle Begriffe verweisen auf die christliche Fastenzeit – „carne vale“, also „Fleisch, lebe wohl“, steckt etwa im Wort Karneval. Besondere Traditionen finden sich je nach Region. Im Rheinland steht der Straßenkarneval mit großen Prunksitzungen und politischen Reden im Mittelpunkt. In Süddeutschland und der Schweiz hingegen feiert man traditionell eher die schwäbisch-alemannische Fastnacht. Hier spielen kunstvolle Holzmasken eine zentrale Rolle, die meist von Generation zu Generation weitergegeben werden.
(Quellen: eigene Recherche der Redaktion)














