Aus: Traditions-Schuhhaus gibt Standort auf in Baden-Württemberg

Eine Frau steht vor dem Schaufenster eines Schuhgeschäfts und schaut sich die Angebote des Schuhhändlers an. Rote Schilder mit dem Wort "Sale" zeigen Rabatte an. Im Schaufenster sind unter anderem Freizeit- und Sportschuhe zu sehen. Ein Kult-Schuhhaus bei Karlsruhe schließt jetzt für immer.
Symbolbild © imago/photothek

Ein traditionsreicher Schuhhändler aus Baden-Württemberg gibt seinen Standort auf – und das nach über einem Jahrhundert Firmengeschichte. Hinter dem spektakulären Räumungsverkauf stecken hohe Kosten, Personalmangel und ein verändertes Kaufverhalten.

Mit Rabatten bis zu siebzig Prozent lockt ein traditionsreicher Schuhhändler in Stuttgart. Doch hinter dem großen Räumungsverkauf steckt ein endgültiger Abschied.

Traditionsladen kündigt Abschied aus der City an

„Totaler Räumungsverkauf wegen Geschäftsaufgabe“ steht auf der Website – und die Botschaft könnte kaum deutlicher sein. Bis zu siebzig Prozent Nachlass gibt es derzeit, teils sogar auf ohnehin reduzierte Ware. Doch hinter den verlockenden Prozenten steckt eine bittere Entscheidung: Ein mehr als hundert Jahre altes Familienunternehmen aus Baden-Württemberg verabschiedet sich aus seiner Toplage mitten in Stuttgart.

Gegründet wurde das Schuhhaus bereits 1907 in Villingen, heute Teil von Villingen-Schwenningen. Von dort aus wuchs das Unternehmen stetig, eröffnete Filialen in Schwenningen, Rottweil, Konstanz und schließlich in Stuttgart. Letztere Filiale liegt zentral in der Eberhardstraße – zwischen Rathaus und Marktplatz – und galt als prestigeträchtiger Standort. Neun Jahre blieb das Traditionshaus dort präsent. Ende 2026 soll Schluss sein.

Zu hohe Kosten, zu wenig Personal und neue Einkaufsgewohnheiten

Auf seiner Website nennt das Schuhaus Häsler mehrere Gründe für die Geschäftsaufgabe: Der Mietvertrag sei ausgelaufen, Miete und Nebenkosten seien mittlerweile zu teuer. Zudem lasse sich Fachpersonal für den Handel kaum noch finden. Und dann seien da noch Corona und das Internet – zwei Faktoren, die das Einkaufsverhalten der Kundschaft endgültig umgekrempelt hätten. Auch äußert das Schuhhaus Kritik an den ständigen Baustellen rund um den Rathausplatz. Langjährige Maßnahmen hätten das Geschäft immer wieder behindert. Aktuell sorgt der Abriss des Schwabenzentrums sogar für Sperrungen im Viertel – was die Frequenz weiter drückt.

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Die Probleme sind kein Einzelfall: Der deutsche Schuhhandel verzeichnete im ersten Halbjahr 2025 ein Umsatzminus von drei bis vier Prozent. Laut Branchenverband BTE steckt der Sektor mitten in einer Schließungs- und Insolvenzwelle. Gleichzeitig wächst der Onlinehandel kräftig: plus 5,8 Prozent im ersten Quartal, plus 7,6 Prozent im zweiten. Global zeigt sich ein ähnliches Bild: Neunzig Prozent aller Schuhe stammen inzwischen aus Asien, Europa hält nur 2,3 Prozent der Produktion. Während Europäer im Schnitt vier Paar pro Jahr kaufen, greifen Nordamerikaner zu fünf – und Afrikaner zu einem.

(Quellen: Schuhhaus Häsler, Informationen aus Stuttgart, haesler-schuhe.de)