Autoindustrie unter Druck: Zulieferer ist insolvent – 162 Jobs

Eine Mechanikerin in einer großen Werkstatthalle bei der Montage einer Auspuffanlage. Die Kfz-Kraft installiert das riesige Rohr für einen Pkw oder ein Motorrad.
Symbolbild © imago/Hans-Günther Oed

Die Autoindustrie steht unter Druck: Ein traditionsreicher Betrieb aus Baden-Württemberg kämpft derzeit ums Überleben. Der Zulieferer ist insolvent – 162 Arbeitsplätze stehen auf dem Spiel, doch noch gibt es Hoffnung.

Seit Jahrzehnten steht der Name für Präzision aus dem Schwarzwald. Jetzt steckt der Traditionsbetrieb in einer existenziellen Krise – 162 Mitarbeiter bangen.

Traditionsfirma mit achtzig Jahren Geschichte

Es ist eine Nachricht, die in der Region für Unruhe sorgt. Ein altbekannter Name der Metallbranche hat die Reißleine gezogen. Wie aus den Insolvenzbekanntmachungen hervorgeht, stellte die Güntert Präzisionstechnik GmbH mit Sitz in Villingen-Schwenningen am 24. Februar beim zuständigen Amtsgericht einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens in Eigenverwaltung. Zum vorläufigen Sachverwalter wurde Dirk Pehl von der bundesweit tätigen Kanzlei Schultze & Braun bestellt. Unterstützung bei der Sanierung erhält das Unternehmen zudem von Schleich & Partner. Die gute Nachricht: Der Geschäftsbetrieb läuft uneingeschränkt weiter. Die Löhne und Gehälter der 162 Beschäftigten sind über das Insolvenzgeld der Bundesagentur für Arbeit bis einschließlich April gesichert.

Gegründet wurde der Betrieb bereits 1946 – damals noch unter dem Namen Schwanog Schwarzwälder Normteile GmbH von Oscar Güntert. Seit 1987 firmiert das Unternehmen unter dem heutigen Namen. Als Spezialist für Metallverarbeitung beliefert Güntert sowohl die Automobilindustrie als auch den Maschinenbau – zwei Branchen, die derzeit massiv unter Druck stehen. Dabei hatte das Unternehmen zuletzt noch investiert: 2020 wurde die Kapazität im Bereich spitzenloses Einstechschleifen erweitert, 2021 folgte eine neue automatisierte Hartdrehmaschine. Doch die Modernisierung konnte die Krise offenbar nicht aufhalten. Medienberichten zufolge kämpfte der Betrieb schon länger mit wirtschaftlichen Problemen und baute wiederholt Personal ab. Konkrete Gründe für die aktuelle Insolvenzanmeldung nannte man nicht. Klar ist jedoch: Die Schieflage in der Autoindustrie trifft auch die Zulieferer mit voller Wucht.

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Autobauer kämpfen – Zulieferer leiden

Die großen deutschen Hersteller wie Mercedes-Benz Group, Volkswagen AG und BMW AG erwirtschafteten 2024 zusammen zwar gewaltige 613 Milliarden Euro Umsatz. Doch der internationale Wettbewerb wird härter, neue Konkurrenten drängen auf den Markt. Hohe US-Zölle verteuern Exporte, in China verlieren deutsche Premiumhersteller an Strahlkraft.

Laut Verband der Automobilindustrie lag der Branchenumsatz in Deutschland zuletzt bei rund 542 Milliarden Euro. Das Statistische Bundesamt zählte zuletzt 721.400 Beschäftigte. Hinter diesen Zahlen stehen auch Tausende Zulieferer. Für das Schwarzwälder Traditionsunternehmen beginnt nun ein entscheidendes Jahr. Ziel der Eigenverwaltung ist es, die Firma neu aufzustellen und die achtzigjährige Geschichte fortzuschreiben.

(Quellen: Unternehmensmitteilung, Amtsgericht, dpa, IG Metall)