Baden-Württemberg droht Kliniksterben – Träger schlagen Alarm

Intensivstation im Krankenhaus. Einen Notstand gibt es derzeit in den Karlsruher Krankenhäusern. In den Betten im Krankenhaus befinden sich gar keine Patienten. Außerdem sind weder Personal noch Ärzte da.
Symbolbild © istockphoto/Akiromaru

Baden-Württemberg steht vor einer Krankenhauskrise: Die Defizite explodieren, Insolvenzen drohen und auch die Altersversorgung der Beschäftigten könnte zum Milliardenproblem werden. Träger schlagen Alarm und fordern von der Politik ein Nothilfeprogramm.

In Baden-Württemberg wächst die Angst vor einem Klinik-Kollaps. Jetzt warnen die Träger vor dramatischen Folgen – auch für den Steuerzahler.

Milliarden-Risiko bei Klinik-Pleiten

Es klingt nach einem Szenario, das niemand erleben möchte: Krankenhäuser schließen, Beschäftigte bangen um ihre Jobs und für Patienten wird die Versorgung schwieriger. Doch genau davor warnen jetzt die kommunalen und kirchlichen Krankenhausträger in Baden-Württemberg. Sie schlagen Alarm – und fordern von der Politik schnelles Handeln. Die wirtschaftliche Lage der Krankenhäuser sei verheerend, heißt es in einer gemeinsamen Mitteilung von Landkreistag, Städtetag, Gemeindetag, evangelischer und katholischer Kirche sowie der Baden-Württembergischen Krankenhausgesellschaft (BWGK). Besonders brisant: Die Klinikdefizite könnten regelrecht explodieren. Während für dieses Jahr bereits ein Minus von rund 880 Millionen Euro erwartet wird, könnte das Defizit im kommenden Jahr auf satte 1,6 Milliarden Euro steigen.

Eine Pleite könnte für die Träger ein weiteres finanzielles Desaster auslösen: die Altersversorgung der Beschäftigten. Denn bei einer Insolvenz endet die Mitgliedschaft des Krankenhauses in der Zusatzversorgungskasse. Über diese Kasse sind die Betriebsrenten der Mitarbeiter abgesichert. Für die garantierten aktuellen und künftigen Ansprüche kann anschließend ein Ausgleichsbetrag fällig werden. Für ganz Baden-Württemberg rechnen die Träger mit mehreren Milliarden Euro. Kommunen und Kirchen wären damit nach eigener Einschätzung finanziell völlig überfordert.

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Jede zweite Klinik in Gefahr

Die Forderungen an die Politik sind deshalb unmissverständlich: Die Krankenhäuser benötigen ein Nothilfeprogramm. Die Kliniken zu stabilisieren, sei letztlich auch für den Steuerzahler die günstigere Lösung, argumentieren die Träger. Bundesweit hatte bereits die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) vor einer Pleitewelle gewarnt, denn nach ihren Berechnungen könnten bei Umsetzung der geplanten Sparmaßnahmen bis 2030 49 Prozent der Krankenhausstandorte eine hohe Ausfallwahrscheinlichkeit haben. Übersetzt: Fast jede zweite Klinik könnte gefährdet sein.

Auch für die Beschäftigten könnte die Krise massive Folgen haben. Laut DKG müssten die Krankenhäuser etwa jeden zehnten Arbeitsplatz abbauen, wenn die vorgesehenen Einsparungen umgesetzt werden. Zusätzlichen Druck auf das Gesundheitssystem erzeugen die sogenannten Hybrid-DRGs. Diese verbinden stationäre und ambulante Behandlungen in einer Abrechnung. Laut einer WIdO-Analyse stiegen die Ausgaben der gesetzlichen Krankenkassen dafür 2025 inflationsbereinigt um vierzehn Prozent – ein Plus von rund 360 Millionen Euro.

(Quellen: BWKG, Landkreistag BW, Städtetag BW)