
Jahrelang suchte eine traditionsreiche Bäckerei vergeblich nach einem geeigneten Azubi. Dann kam ein Geflüchteter, packte mit an und wurde zur echten Hilfe im Betrieb – doch dann soll er trotz Ausbildung abgeschoben werden.
Endlich ist da jemand, der morgens früh aufsteht, anpackt und den Betrieb entlastet. Doch für Bäcker Tobias Leiblein könnte genau das zum Problem werden.
Ein Azubi, auf den der Chef gewartet hat
In der traditionsreichen Bäckerei Leiblein in Walldürn findet sich kaum jemand, der den harten Job in der Backstube machen will. Im vergangenen Jahr bewarb sich niemand um einen Ausbildungsplatz. In diesem Jahr sieht es nicht besser aus. Und auch für das kommende Jahr erwartet Chef Tobias Leiblein keine Bewerbungen. Dann kam Abdu Kassimou. Der 29-Jährige aus Togo wurde von einer ehrenamtlichen Flüchtlingshelferin vermittelt und bat zunächst nur um ein Praktikum. Schnell zeigte sich: Dieser Mann will arbeiten. In seiner Heimat hatte Kassimou nach dem Abitur bereits Ausbildungen zum Koch und zum Konditor absolviert. In Walldürn überzeugte er mit Einsatz und Motivation – und wurde kurzerhand als Azubi übernommen.
Seit 2025 lernt er das Bäckerhandwerk. Für Leiblein ist er längst mehr als ein Lehrling. Wegen eines Unfalls ist der Bäcker zu fünfzig Prozent schwerbehindert. Kassimou kann ihn schon heute spürbar entlasten.
Erst die verlorenen Papiere – dann droht die Abschiebung
Nach Angaben der ehrenamtlichen Flüchtlingshelferin Janet Sanns werfen die Behörden Kassimou vor, in den ersten sechs Monaten in Deutschland keine ausreichenden Identitätspapiere vorgelegt zu haben. Kassimou erklärt, seine Dokumente seien während seiner Flucht verloren gegangen. Die geforderten Unterlagen seien inzwischen nachgereicht worden, sagt Sanns. Sein Asylantrag wurde zunächst abgelehnt. Am Dienstagmittag kommt plötzlich die Wende: Nach einer intensiven Prüfung des Falles erhält der Togolese nun eine Duldung für die Dauer seiner Ausbildung. Seine Abschiebung ist damit vorerst vom Tisch.
In Lomé arbeitete Kassimou unter anderem als Koch und Kellner in der Deutschen Botschaft. Doch nach eigenen Angaben wurde er Zeuge der Tötung eines Kindes durch Regierungssoldaten. Seitdem habe er um sein Leben gefürchtet. Togo gilt in Deutschland nicht als sicheres Herkunftsland. Dennoch werden viele Asylanträge aus dem westafrikanischen Staat als unbegründet abgelehnt. Dabei zeigen die Zahlen, dass Geflüchtete längst eine wichtige Rolle auf dem Ausbildungsmarkt spielen. Insgesamt gab es in Baden-Württemberg zum Beginn des neuen Ausbildungsjahres 1.661 neue Verträge mit jungen Menschen aus zehn ausgewählten Herkunftsländern, darunter 283 aus Syrien, 269 aus Afghanistan und 112 aus dem Irak.
(Quellen: SWR, dpa)














