
In Baden-Württemberg bleiben Tausende Ausbildungsplätze frei, obwohl viele Arbeitgeber dringend junge Talente suchen. Vielen Betrieben fehlt der Nachwuchs – und das wird zunehmend zu einem Problem.
Die Suche nach qualifiziertem Personal entwickelt sich im Land zu einer echten Zerreißprobe. Während einige Branchen einen leichten Aufwind spüren, bleibt die Gesamtlage auf dem regionalen Arbeitsmarkt extrem angespannt.
Tausende Chancen – aber keiner greift zu
Das Handwerk in Baden-Württemberg hat zum Start des neuen Ausbildungsjahres mehr junge Menschen unter Vertrag als noch vor einem Jahr. Doch hinter dem Plus steckt ein großes Problem. Denn viele Betriebe suchen weiterhin händeringend Nachwuchs. 17.342 neue Lehrverträge wurden im baden-württembergischen Handwerk abgeschlossen. Das sind drei Prozent mehr als im Vorjahr. Für Handwerk BW ein Zeichen, dass die Branche wieder attraktiver wird. Gerade in Zeiten, in denen Künstliche Intelligenz den Arbeitsmarkt ordentlich aufmischt und selbst vermeintlich sichere Akademiker-Jobs unter Druck geraten, kann eine Ausbildung im Handwerk punkten.
Trotz des kleinen Erfolgs bleiben zahlreiche Ausbildungsplätze unbesetzt. Rund 17.500 freie Stellen gab es zuletzt landesweit noch. In den kommenden Wochen können jedoch noch weitere Verträge geschlossen werden. Auch ein späterer Einstieg ist möglich. Besonders alarmierend ist die Entwicklung im Vergleich zum Vorjahr. In Industrie und Handel wurden bis Ende August 31.413 neue Ausbildungsverträge registriert – neun Prozent weniger als 2025. Claus Paal, Vizepräsident des Baden-Württembergischen Industrie- und Handelskammertags, spricht deshalb von einem Warnsignal. Der demografische Wandel mache schließlich keine Konjunkturpause. Werden heute weniger junge Menschen ausgebildet, fehlen der Wirtschaft morgen die dringend benötigten Fachkräfte.
Weniger Azubis, mehr Druck auf die Betriebe
Die Zahlen des Statistischen Landesamtes zeigen, wie groß die Veränderung ist. 2025 starteten rund 65.900 neue Ausbildungsverhältnisse im Land. Ende des Jahres gab es insgesamt etwa 172.300 Auszubildende über alle Ausbildungsjahre hinweg. 2016 waren es noch rund 189.900. Ein wesentlicher Grund: Es gibt schlicht weniger junge Menschen – eine Folge der sinkenden Geburtenzahlen.
Besonders beliebt war 2025 der Beruf des Kraftfahrzeugmechatronikers mit 3.033 neuen Verträgen. Es folgten Medizinische Fachangestellte mit 2.762 und Kaufleute für Büromanagement mit 2.674 Neuabschlüssen. Für Azubis gibt es zudem einen kleinen Bonus: Die seit 2021 von den teilnehmenden Kammern ausgegebene AzubiCardBW dient nicht nur als Nachweis für die Ausbildung. Bei zahlreichen Betrieben und Einrichtungen winken damit auch Rabatte und besondere Angebote.
(Quellen: WM BW, BA, Handwerk BW)














