
Der Bodensee erreicht derzeit einen historischen Tiefstand, denn extreme Trockenheit lässt den Pegel immer weiter sinken. Experten rechnen in den kommenden Wochen kaum mit einer Erholung.
Am Bodensee wird es unheimlich: Das Wasser zieht sich immer weiter zurück, an den Ufern werden die Folgen sichtbar. Und Besserung ist vorerst nicht in Sicht.
Dem Bodensee geht das Wasser aus
Was sich zunächst nur an flachen Uferstellen bemerkbar machte, ist inzwischen zu einem außergewöhnlichen Niedrigwasser-Ereignis geworden. Im August passierte etwas, das selbst Experten überrascht: Der Bodenseepegel fiel erstmals unter den niedrigsten Wasserstand, der normalerweise im Winter erreicht wird. Mitte September steht der Pegel bei gerade einmal 262 Zentimetern. Damit liegt er rund 85 Zentimeter unter dem üblichen Wert für diese Jahreszeit.
Normalerweise sinkt der Wasserstand im Herbst zwar langsam ab, weil weniger Wasser aus den alpinen Zuflüssen nachkommt. Der tiefste Stand wird jedoch erst im Winter erreicht. In diesem Jahr ist der Bodensee seiner üblichen Jahreskurve weit voraus. Besonders deutlich zeigt sich das fehlende Wasser an den Ufern. Damit sich der Wasserstand kurzfristig erholt, müsste rund um den See deutlich mehr Regen fallen als üblich. Doch ein kurzer Schauer würde kaum helfen. Entscheidend wären ergiebige Niederschläge über mehrere Tage – allerdings ohne Hochwasser in den Zuflüssen. Die bisherigen Prognosen machen wenig Hoffnung: Das Niedrigwasser-Informationszentrum erwartet, dass der Pegel bis Ende September sogar auf unter 260 Zentimeter sinken könnte.
Niedrigwasser trifft Schiffe – doch Touristen bleiben
Der Grund für die dramatische Entwicklung liegt in einem außergewöhnlich trockenen Jahr. Seit November 2025 fiel – mit Ausnahme des Februars – in jedem Monat zu wenig Regen. Im August kamen landesweit nur rund 63 Millimeter zusammen. Normal wären etwa 95 Millimeter gewesen. Der Juli war mit rund vierzig Millimetern ebenfalls deutlich zu trocken. Für die Schifffahrt sind die Folgen bereits spürbar. Aktuell kann die Landestelle Langenargen überhaupt nicht mehr angefahren werden. Auf anderen Strecken erschweren steile Zugangsbrücken die Fahrrad- und Personenbeförderung. Die Hoffnung liegt auf dem Winter: Viel Schnee in den Alpen könnte im Frühjahr durch die Schneeschmelze wieder Wasser in den See bringen.
Beim Tourismus ist die Stimmung dagegen überraschend gut: Trotz Niedrigwasser lief das Sommergeschäft laut Deutschem Bodensee Tourismus sehr gut. Doch unter der Oberfläche sieht es deutlich schlechter aus. Ende August wiesen 49 Prozent der Grundwassermessstellen in Baden-Württemberg niedrige Werte auf. Seit März sinken die Grundwasserstände fast durchgehend. Im August gingen die Werte sogar an 87 Prozent der Messstellen weiter zurück.
(Quellen: SWR, LUBW)














