
Der Winter hat viele Deutsche überrascht. Sogar der große Bodensee in Baden-Württemberg friert langsam zu, doch so könnte auch ein neuer Besuchermagnet im Januar entstehen.
Über den Winter, den teils heftigen Schneefall sowie den Frost kann man sich aufregen oder es positiv sehen. So wie aktuell am Bodensee, denn er friert langsam zu und offenbart so einen neuen Besuchermagneten.
Eis, Anziehung und trügerische Sicherheit
Still und frostig liegt der Bodensee in diesen Tagen da, wo sonst Wellen leise an die Ufer schlagen. Besonders am flachen Untersee, zwischen Allensbach und der Reichenau, haben niedrige Temperaturen eine durchgehende Eisschicht entstehen lassen. Alle Menschen im Freien, Familien und Schlittschuhfans nutzen den seltenen Anblick, laufen über Bereiche, die sonst Wasser sind, und halten inne, um den Winter in vollen Zügen zu genießen. Was so friedlich wirkt, hat jedoch Tücken.
Experten und Rettungsorganisationen warnen landesweit davor, automatisch dichte Eisflächen als sicher einzuschätzen. Selbst bei klirrender Kälte entstehen auf Seen durch Strömungen, unterschiedliche Wassertiefen oder unterirdische Zuflüsse immer wieder Stellen mit dünnem Eis – besonders bei größeren Gewässern wie dem Bodensee. Neben diesem sind auch kleinere, sehr flache Seen wie der Federsee in Bad Buchau komplett zugefroren. Weil dort kaum tiefe, warme Wasserschichten vorhanden sind, bildet sich das Eis schneller und wirkt stabiler. Doch auch hier gilt Vorsicht: Die Tragfähigkeit hängt von vielen Faktoren ab und lässt sich von Laien kaum eindeutig beurteilen.
Tradition, Natur und die Frage nach der Seegfrörne
Trotz aller winterlichen Romantik bleibt ein vollständiges Zufrieren des Bodensees äußerst selten. Meteorologen führen das auf die enorme Wassermenge und den tiefen Seegraben zurück: Selbst bei starkem Frost sinkt das Wasser nur langsam ab. Dafür sind langanhaltende Dauerfröste erforderlich – Bedingungen, die heute durch milder werdende Winter seltener werden. Blickt man in die Geschichte, wird klar, wie besonders ein komplett zugefrorener Bodensee wäre. Im Winter 1962/63 erlebte die Region ein Jahrhundertereignis. Der Bodensee fror da über viele Wochen vollständig zu. Menschen machten damals ausgedehnte Wanderungen über die erstarrte Wasserfläche, nutzten Schlittschuhe und gar Fahrräder. Dieses außergewöhnliche Phänomen nennt man Seegfrörne.
Um ein solches Naturschauspiel wieder erleben zu können, müssten mehrere Faktoren zusammenkommen: ein im Sommer schon recht kühler See, langanhaltende Minusgrade über Monate, kaum Sonnenschein und geringere Windbewegung. Selbst Wärmebrücken oder starke Sonnentage können den Prozess abbrechen. Obwohl der jetzige Frost nicht zu einem solchen Jahrhundertphänomen reicht, zeigt er, wie empfindlich große Gewässer auf klimatische Veränderungen reagieren.
(Quellen: Echt Bodensee, Tourismus Bodensee)














