
Drei tote Rennpferde, schwere Vorwürfe und eine angekündigte Strafanzeige: Baden-Württembergs Rennsport gerät nach den tragischen Vorfällen in Iffezheim massiv unter Druck. Tierschützer fordern Konsequenzen, während die Verantwortlichen die Vorwürfe zurückweisen.
Auf der Rennbahn von Iffezheim sollte die Große Woche ein Fest des Galoppsports werden. Doch plötzlich geht es um Stürze, Tod und schwere Vorwürfe.
Zwei Todesfälle an einem Renntag
Bei der Großen Woche in Iffezheim überschattet eine Tragödie das sportliche Spektakel: Gleich zwei Rennpferde starben am Dienstag. Während des Rennens riss bei einem Pferd eine Hauptschlagader – das Tier war sofort tot. Ein weiteres Rennpferd stürzte schwer. Es erlitt unter anderem einen Bruch des Fesselbeins und überlebte seine Verletzungen nicht. Zudem war bereits beim Frühjahrsmeeting ein Pferd tödlich verunglückt. Seit der Gründung von Baden-Galopp vor sechs Jahren starben bei rund 5.000 Starterpferden insgesamt vier Tiere.
Die Große Woche läuft noch bis Sonntag. Rund 50.000 Besucher werden im Schnitt erwartet. Der Höhepunkt steht am letzten Renntag an: der Große Preis von Baden. Die Tierschutzorganisation PETA schlägt nun Alarm. In einer Pressemitteilung erhebt die Organisation schwere tierschutzrechtliche Vorwürfe gegen die Rennbahn und fordert, die noch laufenden Rennen sofort abzusagen. Zudem kündigte PETA eine Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft Baden-Baden an. Baden-Galopp weist die Vorwürfe der Tierquälerei entschieden zurück. Auch das Landratsamt Rastatt schaltet sich ein und will den Sachverhalt prüfen. Sollte menschliches Fehlverhalten festgestellt werden, seien Sanktionen möglich.
Wie gefährlich ist der Galoppsport?
Die Diskussion reicht allerdings weit über die beiden aktuellen Todesfälle hinaus. Tierschützer kritisieren seit Jahren, dass Rennpferde schon sehr jung trainiert und hohen Belastungen ausgesetzt werden. Viele Galopper beginnen bereits mit zwei Jahren. Kritiker halten das für problematisch, da Pferde erst mit sechs oder sieben Jahren vollständig ausgewachsen sein können. Befürworter widersprechen. Vollblüter seien frühreife Tiere, argumentieren sie. Das Training in jungen Jahren sei notwendig, um sie an Belastungen zu gewöhnen und Sehnen sowie Muskulatur zu stärken.
Zwischen 2015 und Sommer 2019 kamen laut PETA mindestens fünfzig Pferde bei Rennen in Deutschland ums Leben. Häufige Ursachen sind Knochenbrüche oder Zusammenbrüche während des Rennens. Auch abseits spektakulärer Stürze gibt es Probleme: Rennpferde leiden Untersuchungen zufolge häufig unter Magengeschwüren und Stress. Kritiker sprechen zudem von Lungenblutungen nach Rennen. Auch der Peitscheneinsatz bleibt umstritten. Seit 2023 darf die Peitsche in Deutschland pro Rennen höchstens dreimal eingesetzt werden.
(Quellen: PETA, Baden Galopp, LRA Rastatt)














