Ende: Ältester Flugplatz in Baden-Württemberg soll verschwinden

Eine Luftaufnahme eines großen Flughafens an einem klaren Tag. Man erkennt mehrere Start- und Landebahnen sowie weitläufige Rollfelder. Mehrere Flugzeuge stehen auf dem Vorfeld, einige sind an den Terminals angedockt.
Symbolbild © istockphoto/Loulounaleelou

Ein über einhundert Jahre altes Stück Luftfahrtgeschichte steht nun vor dem Aus: Ein traditionsreicher Flugplatz in Baden-Württemberg soll einem Gewerbegebiet weichen – jetzt entscheiden die Bürger.

Ein traditionsreicher Ort steht vor dem Aus – doch es geht um weit mehr als nur ein paar Starts und Landungen. In Baden-Württemberg bahnt sich eine Entscheidung mit Sprengkraft an.

115 Jahre Geschichte gegen Wirtschaftswachstum

Der Flugplatz Offenburg, einer der ältesten in Baden-Württemberg, könnte verschwinden. Die Stadt mit ihren rund 63.000 Einwohnern plant, das Gelände in ein Gewerbegebiet umzuwandeln. Der Grund: Es fehlt an Platz für Unternehmen. Neue Flächen sollen Wachstum sichern, Abwanderung verhindern und Jobs erhalten.

Doch um Platz für Hallen und Büros zu schaffen, müsste der traditionsreiche Flugplatz weichen – ausgerechnet jener Ort, an dem bereits 1911 die ersten Flugübungen stattfanden. In den 1930er-Jahren setzte regelmäßiger Flugbetrieb ein, später wurde das Gelände zwischenzeitlich landwirtschaftlich genutzt. Seit den 1950er-Jahren wird hier wieder geflogen. Heute ist Offenburg ein sogenannter Sonderlandeplatz. Das bedeutet: Starten und Landen dürfen in erster Linie der Betreiber, die Fliegergruppe Offenburg, auf Anfrage auch Dritte. Zugelassen sind Motorflugzeuge, Segelflugzeuge, Ultraleichtmaschinen und sogar Trikes. Das Gelände gehört der Stadt – und genau das macht die Zukunft so unsicher.

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Ungewöhnliches Bündnis gegen die Bebauung

Der Plan sorgt für heftigen Gegenwind. NABU und BUND warnen vor der Zerstörung eines wertvollen Lebensraums, der seit Jahrhunderten weitgehend unberührt sei. Die Bürgerinitiative „Pro Flugplatz Offenburg“ fordert, das Areal als Rückzugsort für bedrohte Arten zu erhalten – und gleichzeitig den Flugbetrieb zu sichern. Besonders Hagelflieger, die bei Unwettern im Einsatz sind, sowie Segelflieger seien auf den Standort angewiesen. Zudem sehen die Befürworter großes Zukunftspotenzial: Drohnen-Start-ups, Simulationszentren oder sogar Infrastruktur für Lufttaxis könnten hier entstehen. Ein Bürgerentscheid am 8. März soll klären, ob Gewerbepark oder Flugplatz Zukunft haben. Sollte die Mehrheit für die Bebauung stimmen, will das Rathaus der Fliegergruppe bei der Suche nach einem neuen Standort helfen.

Dass Flugplätze Geschichte schreiben können, zeigt ein anderer Ort in Deutschland: Stölln/Rhinow. Dort unternahm Flugpionier Otto Lilienthal 1893 seine ersten Versuche. Im Mai 2025 wurde der Platz offiziell als ältester Flugplatz der Welt ausgezeichnet. Heute steht dort die legendäre „Lady Agnes“, eine Iljuschin Il-62. Rund 550 Flugplätze gibt es in Deutschland, weltweit etwa 9.000.

(Quellen: eigene Recherche der KA-Insider-Redakteure, Pro Flugplatz Offenburg)