
Explodierende Energiekosten bringen einen deutschen Traditionsbetrieb in Bedrängnis. Für rund neunzig Beschäftigte steht viel auf dem Spiel – denn nun ist der Betrieb nach fast 150 Jahren insolvent.
Fast 150 Jahre Geschichte stehen auf dem Spiel: Ein deutscher Traditionsbetrieb kämpft ums Überleben. Für Dutzende Beschäftigte geht es um die eigene Zukunft.
Strom, Gas und CO2-Zertifikate werden zur Belastung
Es ist eine Nachricht, die nach fast 150 Jahren besonders schwer wiegt: Ein traditionsreiches Familienunternehmen aus Baden-Württemberg steckt in einer schweren finanziellen Krise. Die Produktion läuft zwar weiter – doch die Zukunft des Betriebs ist ungewiss. Betroffen ist Tullau Pappen mit Stammsitz in Tullau im Landkreis Schwäbisch Hall. Das Unternehmen hat beim Amtsgericht Heilbronn Insolvenz angemeldet. Auch der bayerische Standort im Oberallgäu ist betroffen. Insgesamt stehen damit rund neunzig Arbeitsplätze auf dem Spiel. Vor allem die enorm gestiegenen Kosten für Strom, Gas und Öl haben die beiden energieintensiven Betriebe zunehmend unter Druck gesetzt. Zudem machen dem Unternehmen teure Zukaufverpflichtungen für CO2-Zertifikate zu schaffen.
Geschäftsführer Matthias Kurz hofft dennoch, dass Tullau Pappen sich aus eigener Kraft aus der Krise befreien kann. Der vorläufige Insolvenzverwalter Tibor Braun will ebenfalls möglichst viele Arbeitsplätze und beide Standorte erhalten. Eine Möglichkeit wäre ein Verkauf. Im Raum stehen sowohl die Übernahme der gesamten Firmengruppe als auch der Verkauf einzelner Unternehmensteile. Die Aussichten dafür seien nicht schlecht, heißt es. Allerdings kämpft die gesamte Papier- und Pappenbranche derzeit mit einem starken Wettbewerb und enormem Preisdruck. Wie dramatisch die Situation für deutsche Unternehmen inzwischen ist, zeigt auch eine aktuelle Analyse von Verivox: Demnach ist Strom in Deutschland innerhalb der G20-Länder am teuersten. Ein wesentlicher Grund sei die hohe Belastung durch Steuern und Abgaben.
Beschäftigte bangen um ihre Zukunft
An beiden Standorten arbeiten jeweils rund 45 Menschen. Sie wurden inzwischen auf Betriebsversammlungen über die Insolvenzverfahren informiert. Für die Beschäftigten gibt es zumindest vorerst eine wichtige Absicherung: Ihre Vergütungsansprüche werden über das Insolvenzgeld der Bundesagentur für Arbeit abgesichert – bis einschließlich Oktober 2026. Und noch gibt es keinen Produktionsstopp. In Tullau und Trauchgau wird weitergearbeitet.
Der Fall reiht sich in eine bundesweit besorgniserregende Entwicklung ein. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes stieg die Zahl der Insolvenzen im Juni im Vergleich zum Vorjahresmonat um fast 16 Prozent. Im ersten Halbjahr wurde sogar der höchste Stand an Unternehmenspleiten seit dreizehn Jahren erreicht.
(Quellen: Tullauer Pappen, AG Heilbronn, BA)














