Erstes Wolfsrudel im Schwarzwald wird immer wahrscheinlicher

Ein Wolfsrudel mit vier verschiedenen Wölfen ist im Wald unterwegs. Die Tiere laufen über eine grüne Wiese und kommen aus dem Dickicht. Sie laufen entspannt, ohne ein bestimmtes Ziel vor Augen zu haben. Immer öfter tauchen die Tiere in Karlsruher Wäldern auf.
Symbolbild © istockphoto/Ondrej Prosicky

Ein Wolfsrudel im Schwarzwald wird immer wahrscheinlicher: Eine Wölfin und ein Rüde streifen gemeinsam durch die Region. Experten hoffen auf Nachwuchs – doch das sorgt nicht nur für Begeisterung.

Ein Schatten huscht durch den Schwarzwald – und Experten werden hellhörig. Denn was sich derzeit dort entwickelt, könnte ein echtes Natur-Comeback bedeuten.

Heimliche Rückkehr der Wölfe

Lange Zeit galt der Schwarzwald als wolfsfrei – doch diese Zeiten könnten bald vorbei sein. Inzwischen wurden in der Region fünf Wölfe nachgewiesen. Vier männliche Tiere und seit Kurzem auch eine Wölfin. Die Wölfin mit der Kennung GW4816f ist offenbar gemeinsam mit einem Rüden unterwegs. Und der hat bereits eine kleine Geschichte geschrieben. GW852m kam schon 2017 zur Welt und gilt als der Wolf, der bislang am längsten dauerhaft in Baden-Württemberg lebt. Während die Wölfin noch relativ jung ist, nähert sich der Rüde bereits dem Ende der durchschnittlichen Lebenserwartung eines Wolfs. Doch genau dieses ungleiche Paar könnte für eine Sensation sorgen. Denn Fachleute halten es für möglich, dass die Wölfin trächtig ist. Sollte sich dieser Verdacht bestätigen, könnte Baden-Württemberg schon bald ein eigenes Wolfsrudel haben – das erste seit vielen Jahren.

Wenn alles nach Plan läuft, könnte es im Frühsommer spannend werden. Wölfinnen bringen normalerweise vier bis sechs Welpen zur Welt, in seltenen Fällen sogar bis zu acht. Statistisch gesehen überlebt nur etwa ein Drittel der Jungwölfe die ersten beiden Lebensjahre. Krankheiten, natürliche Feinde wie Füchse oder Greifvögel – und vor allem der Mensch – machen ihnen zu schaffen. Besonders häufig endet das Leben eines Wolfs im Straßenverkehr. Trotzdem wächst der Wolfsbestand in Deutschland weiter. Bundesweit leben inzwischen rund 2.000 Tiere. In Niedersachsen und Brandenburg existieren jeweils etwa 54 Rudel, in Sachsen 35 und in Sachsen-Anhalt 31.

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Zwischen Faszination und Sorge

Die Rückkehr der Wölfe sorgt im Schwarzwald immer wieder für Diskussionen – vor allem, wenn Nutztiere gerissen werden. Angriffe auf Menschen sind dagegen äußerst selten. Trotzdem sorgte kürzlich ein ungewöhnlicher Vorfall in Hamburg für Schlagzeilen: Ein verirrter Wolf lief in ein Einkaufszentrum. Eine Frau hielt ihn für einen Hund und wollte ihn hinausbringen – dabei verletzte das Tier sie im Gesicht. Später wurde der Wolf von der Polizei eingefangen.

Im Schwarzwald will man solche Situationen vermeiden. Deshalb hat das Umweltministerium im Nationalpark inzwischen Hinweisschilder gegen sogenannten „Wolfstourismus“ aufgestellt. Wer Tiere füttert, verfolgt oder stört, riskiert Bußgelder bis zu 10.000 Euro. Und falls Spaziergänger doch einmal einem Wolf begegnen? Experten raten: ruhig bleiben, nicht wegrennen, dem Tier Platz lassen – und sich langsam zurückziehen.

(Quellen: eigene Recherche der KA-Insider-Redakteure)