Experten alarmiert: Klimawandel-Lage spitzt sich zu am Bodensee

Der Bodensee, eingebettet zwischen Deutschland, Österreich und der Schweiz, hat eine Fläche von rund 536 Quadratkilometer. Mit seinem türkisblauen und kristallklaren Wasser lockt er jedes Jahr zahlreiche Besucher an, die viele unterschiedliche Sportarten und kulturelle Angebote nutzen können.
Symbolbild © istockphoto/Rafael_Wiedenmeier

Die Lage am Bodensee spitzt sich immer weiter zu: Unsichtbare Veränderungen im Wasser bedrohen das Ökosystem – und könnten weitreichende Folgen für Natur, Tiere und Menschen haben.

Was unter der ruhigen Oberfläche brodelt, könnte dramatische Folgen haben: Am Bodensee bahnt sich eine stille Krise an.

Unsichtbare Gefahr in der Tiefe

Für Urlauber wirkt der Bodensee oft idyllisch – glitzerndes Wasser, sanfte Wellen, Alpenpanorama. Doch Experten schlagen Alarm: Unter der Oberfläche verändert sich das sensible Ökosystem zunehmend. Die Internationale Gewässerschutzkommission für den Bodensee warnt vor einer besorgniserregenden Entwicklung. Durch steigende Lufttemperaturen erwärmt sich auch das Wasser – und das hat weitreichende Folgen. Besonders kritisch: Das Wasser heizt sich im Frühjahr schneller auf und kühlt im Herbst später ab.

Was zunächst harmlos klingt, bringt ein zentrales Naturprinzip durcheinander. Im Winter benötigt der See niedrige Temperaturen, damit sich das Wasser durchmischt. Nur so gelangt lebenswichtiger Sauerstoff in die tiefsten Regionen – bis hinunter auf 251 Meter. Doch genau dieses Zeitfenster schrumpft dramatisch.

Sauerstoffmangel bedroht das Ökosystem

Laut Harald Hetzenauer, Leiter des Instituts für Seenforschung, konnte sich das Wasser in diesem Winter nicht mehr ausreichend bis zum Grund durchmischen. Die Folge: Sauerstoff gelangt nicht mehr in die Tiefe. Das hat ernste Konsequenzen. Nicht nur Fische sind betroffen – auch Mikroorganismen, die abgestorbene Pflanzen und Tiere zersetzen, benötigen Sauerstoff. Fehlt dieser, gerät das gesamte ökologische Gleichgewicht ins Wanken. Regelmäßige Messungen zeigen, wie ernst die Lage ist. Seit 1962 ist die durchschnittliche Wassertemperatur um ein Drittel gestiegen. Besonders alarmierend: 2022 wurde mit 14,1 Grad die höchste Oberflächentemperatur seit Beginn der Aufzeichnungen gemessen.

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Selbst ein spektakuläres Naturereignis könnte bald Geschichte sein. Die sogenannte „Seegfrörne“ – das vollständige Zufrieren des Sees – wird immer unwahrscheinlicher. Dieses seltene Ereignis trat zuletzt im Winter 1962/63 auf. Früher ein Jahrhundertereignis, heute womöglich ein Relikt der Vergangenheit. Was bleibt, ist die Erkenntnis: Der Klimawandel verändert nicht nur das Wetter – sondern greift tief in die empfindlichen Kreisläufe unserer Natur ein. Und der Bodensee steht dabei exemplarisch für eine Entwicklung, die längst begonnen hat.

(Quellen: eigene Recherche der KA-Insider-Redakteure, KNA, IGKB, Institut für Seenforschung)