
Fast jeder Zweite scheitert an der Führerschein-Prüfung im Südwesten: Neue Zahlen zeigen erschreckend hohe Durchfallquoten bei Theorie und Praxis – und das mitten in der Debatte um sinkende Kosten.
Der Führerschein bleibt für viele ein teurer Traum – und endet für Tausende im Südwesten erst einmal mit einer bitteren Niederlage.
Theorie-Schock und Praxis-Pleite
Der Weg zum Führerschein ist in Baden-Württemberg offenbar steiniger denn je. Auch 2025 rasselten erschreckend viele Fahrschüler durch die Prüfungen. Die Zahlen des aktuellen Datenreports des TÜV-Verbands sprechen eine deutliche Sprache, denn 46 Prozent fielen durch die Theorieprüfung. Und auch auf der Straße sieht es kaum besser aus: 37 Prozent bestanden die praktische Prüfung nicht.
Damit blieben die Quoten auf ähnlich hohem Niveau wie im Vorjahr. Von Entspannung also keine Spur. Für viele bedeutet das: zusätzliche Fahrstunden, neue Prüfungsgebühren – und noch mehr Kosten. Und genau hier liegt der wunde Punkt. Denn billig ist der Traum vom Führerschein ohnehin nicht. Laut ADAC kostet der Erwerb der Fahrerlaubnis in Deutschland – je nach Region und Fahrschule – zwischen 3.500 und 6.000 Euro. Wer durchfällt, zahlt drauf.
Reformpläne sorgen für Wartestellung
Mitten in diese angespannte Lage platzt eine politische Debatte. Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) plant eine Reform, die den Führerschein günstiger machen soll. Vereinfachungen und mehr digitale Lösungen bei Theorie und Praxis sind im Gespräch. Doch die Ankündigung hat Nebenwirkungen: Seit Bekanntwerden der Reformpläne berichten viele Fahrschulen von einem spürbaren Rückgang bei den Anmeldungen. Der Grund? Zahlreiche Interessenten warten offenbar ab – in der Hoffnung, bald günstiger ans Steuer zu kommen.
Währenddessen erreichen die Prüfungszahlen bundesweit neue Rekorde. 2025 wurden laut TÜV-Verband über alle Klassen hinweg 2,04 Millionen Theorieprüfungen und rund 1,89 Millionen Praxisprüfungen abgelegt – so viele wie nie zuvor. Ein Blick in andere Regionen zeigt: Baden-Württemberg steht mit seinen Zahlen nicht allein da. In Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen liegen die Durchfallquoten bei der Praxis sogar mehrere Prozentpunkte über dem Bundesdurchschnitt. In Sachsen-Anhalt scheitern 44 Prozent – sieben Punkte mehr als im Schnitt. Noch schlechter schneiden nur Berlin mit 48 Prozent und Hamburg mit 47 Prozent ab. Für viele junge Menschen bleibt der Führerschein also das, was er schon lange ist: ein teures Prestigeprojekt mit Nervenkitzel-Garantie. Und für fast jeden Zweiten im Südwesten endet der Traum vorerst mit den Worten: „Leider nicht bestanden“.
(Quellen: eigene Recherche der KA-Insider-Redakteure, dpa, Angaben des TÜV-Verbands)














