
Die Finanzkrise setzt auch die Kommunen in Baden-Württemberg massiv unter Druck. Jetzt trifft es die Beschäftigten: Eine Stadt streicht Jobs – und für Bürger könnten die Folgen schon bald spürbar werden.
Die Haushaltslage in Baden-Württemberg wird immer dramatischer: Eine Stadt muss den Rotstift ansetzen – und bei den Beschäftigten wird es besonders bitter.
50-Millionen-Loch zwingt Reutlingen zum Sparen
Die Stadt Reutlingen steht vor einem gewaltigen Finanzproblem. Bei der Vorstellung des Entwurfs für den Doppelhaushalt 2026/2027 am 16. Dezember wurde deutlich, wie ernst die Lage inzwischen ist. Oberbürgermeister Thomas Keck sprach von einem Finanzloch von rund 50 Millionen Euro. Schnelle Hilfe von Bund oder Land sei nicht zu erwarten. Deshalb müsse die Stadt „vor der eigenen Haustüre kehren“. Und das hat Folgen. Ein Konzept zur Haushaltssicherung soll in den kommenden fünf Jahren Einsparungen und Verbesserungen von fast 200 Millionen Euro bringen.
Besonders hart trifft es die städtischen Beschäftigten. Rund zehn Prozent der Belegschaft sollen innerhalb der nächsten vier Jahre wegfallen. Das entspricht etwa 250 Stellen. Für die Bürger könnte das ebenfalls spürbar werden. Weniger Personal bedeutet mehr Arbeit für die verbleibenden Mitarbeiter, längere Wartezeiten und möglicherweise weniger Service in den Ämtern. Schon heute stehen viele Kommunen unter enormem Druck.
Steuern rauf – Schulen und Rathaus trotzdem im Fokus
Ganz ohne zusätzliche Einnahmen will Reutlingen die Krise allerdings nicht bewältigen. Geplant sind höhere Hunde-, Vergnügungs- und Zweitwohnungssteuern. Außerdem soll eine Übernachtungssteuer eingeführt werden. Eine wichtige Ausnahme gibt es: Grund- und Gewerbesteuern für Unternehmen sollen nicht erhöht werden. Gerade angesichts der wirtschaftlichen Schwierigkeiten wolle die Stadt die Unternehmen offenbar nicht zusätzlich belasten.
Trotz des Sparkurses soll gleichzeitig kräftig investiert werden. Reutlingen plant Bauinvestitionen von rund 222 Millionen Euro, unter anderem für die Sanierung von Schulen und des Rathauses. Dafür müssen allerdings neue Schulden aufgenommen werden. Das Problem ist längst kein Einzelfall mehr. 2025 erreichten die Kommunen in Deutschland ein historisches Defizit von nahezu 32 Milliarden Euro. Die Gesamtverschuldung von Städten, Gemeinden und Landkreisen kletterte dadurch auf fast 200 Milliarden Euro. Für viele Kommunen bedeutet das: sparen, streichen und trotzdem handlungsfähig bleiben.
(Quellen: Stadt Reutlingen, Gemeinderat Reutlingen)














