Firma aus Baden-Württemberg verlagert Produktion ins Ausland

Luftaufnahme einer Zentrale, die zu einer Firma gehört. Es handelt sich um ein großes Gebäude in einem Industriegebiet, das von Häusern sowie Grünflächen umgeben ist.
Symbolbild © imago/Carmele/tmc-fotografie.de

Eine Firma aus Baden-Württemberg prüft, Teile ihrer Produktion ins Ausland zu verlagern. Für einen Standort im Südwesten könnte das ernste Folgen haben – möglicherweise sind Hunderte Arbeitsplätze betroffen.

Ein großer Industriebetrieb prüft, Teile seiner Produktion ins Ausland zu verlagern – mit möglichen Folgen für Hunderte Beschäftigte.

Schock für die Belegschaft

Ein traditionsreicher Werkzeughersteller aus Baden-Württemberg plant, Teile seiner Produktion ins Ausland zu verlagern. Betroffen wäre dabei primär die sogenannte Rohlingsfertigung – ein zentraler Schritt bei der Herstellung von Hartmetall-Wendeschneidplatten. Hinter dem Plan steht die Walter AG mit Sitz in Tübingen. Das Unternehmen gehört zur schwedischen Sandvik-Gruppe. Insgesamt beschäftigt der Konzern rund 3.800 Menschen weltweit, etwa 500 davon arbeiten im Werk in Münsingen.

Genau dort könnten nun erhebliche Veränderungen anstehen. Nach übereinstimmenden Medienberichten soll die Produktion der Rohlinge künftig am Standort der Muttergesellschaft Sandvik AB im schwedischen Gimo stattfinden. Die Maßnahme würde vor allem Beschäftigte in der Rohstoffproduktion und im Bereich der Presswerkzeuge betreffen. Noch ist allerdings nichts endgültig entschieden. Unternehmenschef Christoph Geigges betonte, konkrete Entscheidungen über einzelne Stellen seien bislang nicht gefallen.

Gewerkschaft kündigt Widerstand an

Laut Medienberichten könnte eine dreistellige Zahl an Arbeitsplätzen betroffen sein. Für die IG Metall Reutlingen-Tübingen war die Nachricht ein Schock. Gewerkschaftssekretär Ralf Jaster kündigte an, sich entschieden gegen mögliche Stellenstreichungen zu stellen. Die Unternehmensführung begründet die Pläne dagegen mit wirtschaftlichen Gründen. In der globalen Fertigung gebe es derzeit Überkapazitäten. Ziel sei es, Produktionsprozesse besser aufeinander abzustimmen und Doppelarbeit zwischen verschiedenen Standorten zu vermeiden. Dadurch wolle man langfristig ein effizienteres und widerstandsfähigeres Produktionsmodell schaffen. Sollte die Verlagerung tatsächlich umgesetzt werden, soll sie schrittweise im laufenden und im kommenden Jahr erfolgen. Die Walter AG kündigte an, eng mit dem Betriebsrat zusammenzuarbeiten und betroffene Mitarbeiter zu unterstützen – etwa durch einen Sozialplan.

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Der mögliche Einschnitt kommt zu einer ohnehin schwierigen Zeit für die deutsche Industrie. Zwar planen Unternehmen laut Ifo-Institut derzeit etwas seltener Stellenstreichungen, doch von einer echten Trendwende kann noch keine Rede sein. Allein im vergangenen Jahr gingen in der Industrie mehr als 120.000 Arbeitsplätze verloren. Zwar wird erwartet, dass die deutsche Wirtschaft in diesem Jahr dank des 500 Milliarden Euro schweren Schuldenpakets der Bundesregierung wieder etwas wächst. Allerdings sorgt der Iran-Krieg für erhebliche Unsicherheit, vorrangig wegen der stark gestiegenen Energiepreise.

(Quellen: eigene Recherche der KA-Insider-Redakteure, Reutlinger General-Anzeiger, Walter AG)