Für alle Urlauber: Hoteldörfer werden im Schwarzwald geplant

Eine Luftaufnahme einer ländlichen Landschaft. Am Rand befindet sich ein türkisfarbener See. Dahinter liegt ein Dorf mit mehreren Häusern, die von Bäumen und grünen Wiesen umgeben sind.
Symbolbild © istockphoto/Bim

Im Schwarzwald entstehen neue Urlaubskonzepte: Ganze Dörfer werden hier derzeit zu Hotels umgebaut – mit verstreuten Zimmern, lokalen Angeboten und echtem Dorfleben statt der klassischen, anonymen Hotelanlagen.

Urlaub im Schwarzwald könnte bald ganz anders aussehen: kein großes Hotel, keine Lobby – stattdessen ein ganzes Dorf als Unterkunft. Ein Konzept sorgt jetzt für Aufsehen.

Ein ganzes Dorf wird zum Hotel

Die Rezeption liegt nicht im Hotel, sondern im Dorf. Das Frühstück gibt es beim Bäcker, abends geht es ins Gasthaus um die Ecke – und der Dorfplatz wird zur Lobby. Genau diese Idee soll bald im Schwarzwald Realität werden. Der Plan: Ganze Orte werden zu sogenannten Hoteldörfern. Statt eines großen Hotelgebäudes verteilen sich Zimmer, Apartments und Angebote über den gesamten Ort. Gäste wohnen also mitten im Dorf – in umgebauten Häusern, ehemaligen Wohnungen oder historischen Gebäuden.

Die Idee dahinter ist simpel, aber reizvoll: Urlauber sollen nicht nur übernachten, sondern das Dorfleben erleben. Gespräche mit Einheimischen, Einkäufe im Dorfladen, ein Feierabendbier auf dem Platz – der Urlaub wird persönlicher und authentischer. Ganz neu ist das Konzept allerdings nicht. In Italien gibt es diese Art von verstreutem Hotel schon lange. Dort nennt man es Albergo Diffuso. Inzwischen gehören über achtzig Orte zu diesem Netzwerk. Selbst außerhalb Italiens gibt es seit 2022 ein Beispiel: das winzige Dorf Corippo im Schweizer Verzascatal. Nur ein Dutzend Einwohner lebt dort – doch fünf Häuser im Ort bieten zusammen 26 Betten für Gäste. Die Gassen sind praktisch die Hotelflure, eine Osteria dient als Rezeption und Treffpunkt.

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Der Schwarzwald sucht passende Orte

Nun will Schwarzwald Tourismus das Modell in Deutschland etablieren – mit einigen Anpassungen. Aktuell werden Gemeinden gesucht, die sich vorstellen können, Teil eines solchen Hoteldorfes zu werden. Bis Ende März können sich interessierte Orte bewerben. Bereits Ende April soll feststehen, welche Gemeinden in die engere Auswahl kommen. Danach beginnt die eigentliche Arbeit: In Workshops und Gesprächen entwickeln Kommunen, Gastgeber und weitere Beteiligte konkrete Konzepte. Das Ziel ist ehrgeizig: Noch 2027 könnten die ersten Hoteldörfer im Schwarzwald Realität werden. Unterstützt wird das Projekt vom Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Tourismus Baden-Württemberg. Fachlich begleitet wird es von Compass Tourismus Partner, Experten für das Albergo-Diffuso-Modell im deutschsprachigen Raum.

Doch bei aller Begeisterung gibt es auch Zweifel. Branchenkenner warnen: Das Konzept funktioniert nur, wenn ein Dorf wirklich zusammenarbeitet. Wenn der Bäcker schließt oder das einzige Gasthaus keinen Nachfolger findet, gerät das System schnell ins Wanken.

(Quellen: eigene Recherche der KA-Insider-Redakteure)