Großeinsatz in Baden-Württemberg: Fast 3000 Zoll-Beamte dabei

Die Polizisten betreten einen Bus. Sie führen eine Kontrolle der Lenkzeiten des Busfahrers, der Angestellten und der Fahrgäste durch. Dieser Großeinsatz sorgt für mächtig Aufsehen bei den Bürgern.
Symbolbild © imago/kamera24

Polizeieinsätze sind in Deutschland an der Tagesordnung, doch so einen massiven wie zuletzt sieht man selten. Fast 3000 Zoll-Beamte waren bei einem Großeinsatz in Baden-Württemberg dabei. Die Hintergründe zum Warum überraschen selbst Polizeikenner.

Obwohl Deutschland als relativ sicheres und wohlhabendes Land gilt, hat die Polizei auch hier jeden Tag allerhand zu tun. Nun war der Zoll gefragt, und fast 3000 Zoll-Beamte waren in einen Großeinsatz in Baden-Württemberg verwickelt. Die Branche, die kontrolliert wurde, überrascht aber tatsächlich sehr.

Hinter dem Paketboom wächst seit Jahren ein kaum sichtbares Problem

Vor allem in der Kurier- und Logistikbranche arbeiten viele Unternehmen mit komplizierten Subunternehmer-Strukturen. Fahrer tragen zwar die Logos großer Paketdienste auf ihren Fahrzeugen, angestellt sind sie jedoch oft bei kleineren Fremdfirmen. Arbeitsrechtler warnen seit Jahren davor, dass dadurch Kontrolle und Verantwortung leichter verschwimmen. Nach Angaben von Gewerkschaften klagen Zusteller immer wieder über lange Arbeitstage und hohen Leistungsdruck. Besonders vor Weihnachten oder während großer Rabattaktionen steigt die Belastung massiv an. Interessant dabei: Laut Statistischem Bundesamt zählt die Logistik inzwischen zu den wichtigsten Wirtschaftsbereichen Deutschlands. Gleichzeitig herrscht dort vielerorts Personalmangel.

Verbraucherschützer geben Kunden inzwischen sogar praktische Tipps. Wer beschädigte oder verspätete Lieferungen reklamiert, sollte Fotos und Sendungsnummern sichern. Bei Problemen haftet in vielen Fällen nämlich der Händler und nicht direkt der Paketdienst. Auch Arbeitnehmer sollten dabei vorsichtig sein. Experten empfehlen daher Fahrern, Arbeitszeiten möglichst genau zu dokumentieren und Lohnabrechnungen regelmäßig zu prüfen.

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Zollbeamte kontrollieren große Zentren: Was nun in den Fokus rückt

Seit Mittwochmorgen laufen bundesweit umfangreiche Kontrollen in Paketzentren und Verteilanlagen. Mehr als 2.900 Zollbeamte prüfen dabei Arbeitsverhältnisse, Sozialversicherungen und mögliche Verstöße gegen den Mindestlohn. Auch Baden-Württemberg gehört zu den betroffenen Regionen. Im Mittelpunkt stehen vor allem mögliche Fälle von Schwarzarbeit und illegale Beschäftigung. Die Finanzkontrolle Schwarzarbeit des Zolls konzentriert sich dabei besonders auf Firmengeflechte mit zahlreichen Subunternehmern.

Genau dort sehen Behörden ein erhöhtes Risiko für fehlerhafte Lohnzahlungen oder fehlende Sozialabgaben. Die Prüfungen erfolgen laut Behörden ohne konkreten Verdacht und ziehen sich teilweise bis in die Abendstunden. Solche Großaktionen finden regelmäßig in personalintensiven Branchen statt – etwa auch auf Baustellen, in Restaurants oder in der Pflege. Für Beschäftigte können Verstöße dabei später ernste Folgen haben. Fehlende Sozialabgaben wirken sich oft erst Jahre später auf Krankenversicherung oder Rente aus. Genau deshalb schauen die Behörden inzwischen deutlich genauer hin als noch vor einigen Jahren.

(Quellen: Zoll, Bundesfinanzministerium, Hauptzollamt, dpa)