Großstadt in Baden-Württemberg macht Verpackungen teurer

Eine Person hält einen Kaffeebecher in der Hand. Der Becher besteht aus Pappe oder einem anderen Einwegkunststoff. Es ist kein Mehrwegbecher. Das Material ist geeignet für heiße Getränke.
Symbolbild © istockphoto/semenovp

Eine Stadt in Baden-Württemberg macht Verpackungen plötzlich zum Kostenfaktor: Hier wird der schnelle Kaffee to go nun teurer – und andere Städte könnten dabei schon bald nachziehen.

Ein schneller Kaffee, ein Burger auf die Hand – für viele gehört das zum Alltag. Doch in einer Großstadt im Südwesten wird genau das bald spürbar teurer.

Großstadt bittet To-go-Fans zur Kasse

Wer sich mittags fix einen Burger holt oder morgens den Kaffee to go, merkt es oft erst an der Kasse: Es wird teurer. Doch nicht wegen steigender Lebensmittelpreise – sondern wegen dessen, was drumherum passiert. Verpackungen geraten zunehmend ins Visier der Städte. Eine Kommune im Südwesten prescht nun vor und sorgt für reichlich Gesprächsstoff.

Ab Anfang 2026 führt Freiburg eine Steuer auf Einwegverpackungen für Speisen und Getränke ein. Die Schwarzwaldmetropole folgt damit dem Beispiel von Tübingen, wo eine solche Abgabe bereits seit 2022 gilt. Auch Konstanz ist inzwischen dabei. Für Freiburg rechnet die Stadtverwaltung mit satten Einnahmen von rund 2,2 Millionen Euro pro Jahr. Konkret heißt das: Für jede Einweg-Getränkeverpackung werden fünfzig Cent fällig. Dasselbe gilt für Einweggeschirr und Einweg-Mahlzeitverpackungen. Einwegbesteck oder Trinkhalme ab zehn Zentimetern schlagen mit zwanzig Cent zu Buche. Bei Menüs mit mehreren Teilen wird jede einzelne Verpackung besteuert. Burgerbox, Pommes-Schale, Besteck, Getränkebecher samt Strohhalm – alles zählt. Damit die Umsetzung klappt, hat die Stadt eigens Personal aufgebaut: Drei neue Stellen in der Kämmerei und eine im Umweltschutzamt sollen Gastronomiebetriebe informieren und die neue Abgabe erklären.

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Kommt die Verpackungssteuer bald überall?

Freiburgs Oberbürgermeister Martin Horn setzt parallel auf eine sogenannte Mehrwegoffensive. Ziel: Bei städtischen Veranstaltungen und Märkten wie dem Weihnachts- oder Münstermarkt sollen Einwegverpackungen möglichst verschwinden.

Doch bleibt Freiburg ein Einzelfall? Wohl kaum. Eine Übersicht der Deutschen Umwelthilfe zeigt: In vielen Städten in Baden-Württemberg wird das Thema heiß diskutiert. Heidelberg, Mannheim, Aalen, Ludwigsburg und Baden-Baden prüfen eine Verpackungssteuer. In Stuttgart, Karlsruhe und Lörrach laufen bereits Beratungen. Heilbronn hingegen hat dem Modell eine klare Absage erteilt. Der Hintergrund ist brisant: 215 Kilogramm Verpackungsmüll fielen 2023 in Deutschland pro Kopf an – deutlich mehr als der EU-Durchschnitt von rund 178 Kilogramm. Seit 2005 ist die Menge hierzulande um fünfzehn Prozent gestiegen. Klar ist: Der Müllberg wächst. Und immer mehr Städte fragen sich, wie lange sie noch zusehen wollen.

(Quellen: eigene Recherche der KA-Insider-Redakteure, Stadt Freiburg im Breisgau)