
Zahlreiche Arbeitsplätze stehen vor dem Aus und die Sorgen der Beschäftigten wachsen. Die Industrie in Baden-Württemberg gerät durch Krise, Konkurrenz und Sparprogramme zunehmend unter Druck.
Ein Traditionsunternehmen aus Baden-Württemberg zieht die Reißleine – und für zahlreiche Beschäftigte beginnt eine Zeit voller Unsicherheit.
Konkurrenz aus Asien, Krise in Europa
Die Nachricht traf viele wie ein Schock: Beim Automatisierungsspezialisten Festo sollen in Deutschland rund 1.300 Arbeitsplätze wegfallen. Offiziell spricht das Familienunternehmen von einem Transformationsprogramm, doch hinter dem nüchternen Begriff steckt für viele Beschäftigte hauptsächlich eines: Angst um die Zukunft. Dabei gehört Festo zu den heimlichen Giganten der deutschen Industrie. Der Name ist außerhalb der Wirtschaft zwar kaum bekannt, doch die Technik des Unternehmens steckt fast überall drin. Ob bei der Herstellung von Lebensmitteln, in der Automobilindustrie oder in der Medizintechnik – überall greifen, drehen und bewegen Maschinen mit Festo-Technik Produkte des Alltags. Selbst moderne E-Autos oder Smartphones kommen ohne die Automatisierungslösungen kaum aus.
Doch genau diese Industrie gerät jetzt massiv unter Druck. Festo nennt als Gründe für den drastischen Sparkurs die schwache Wirtschaftslage, den wachsenden Wettbewerb aus Asien und geopolitische Unsicherheiten. Besonders bitter: Der Umsatz des Unternehmens sank 2025 bereits das dritte Jahr in Folge. Nach 3,81 Milliarden Euro im Jahr 2022 blieben zuletzt nur noch rund 3,33 Milliarden Euro übrig. Um gegenzusteuern, beabsichtigt Festo, weltweit jährlich 200 Millionen Euro einzusparen. Nicht nur in Deutschland, auch im Ausland sollen Stellen gestrichen werden. Ganze Standorte sollen hierzulande zwar erhalten bleiben, dennoch dürfte der Einschnitt in vielen Abteilungen deutlich spürbar werden. Rund 8.200 der weltweit etwa 20.600 Mitarbeiter arbeiten in Deutschland. Gemeinsam mit dem Betriebsrat sollen nun Lösungen gefunden werden, um den Stellenabbau möglichst sozialverträglich umzusetzen.
Gewerkschaft schlägt Alarm
Bei der IG Metall sorgt der Kahlschlag für massive Kritik. Die Gewerkschaft warnt davor, mitten in der wirtschaftlichen Krise Arbeitsplätze abzubauen. Der Schaden für den Industriestandort Deutschland könne enorm sein.
Und Festo ist längst kein Einzelfall mehr. Neue Zahlen des Ifo-Instituts zeigen, wie ernst die Lage inzwischen ist. Das Beschäftigungsbarometer fiel im April auf den niedrigsten Stand seit dem Corona-Jahr 2020. Unternehmen planen aktuell so viele Stellenstreichungen wie seit Jahren nicht mehr. Besonders stark betroffen bleibt die Industrie – doch auch Handel, Logistik, Dienstleistungen und Tourismus bauen zunehmend Jobs ab.
(Quellen: Unternehmensangaben, Betriebsrat, Industrieberichte, dpa)














