Industrie-Riese aus Baden-Württemberg schließt nächstes Werk

Auf der Straße findet eine große Demonstration von aufgebrachten Mitarbeitern und der Gewerkschaft statt. Mit Schildern in den Händen kämpfen die Arbeiter, einige von ihnen in Gelbwesten, für ihre Arbeit und ihre Rechte.
Symbolbild © imago/HMB-Media

Auch im Jahr 2026 leiden die deutsche Wirtschaft und ihre großen Unternehmen an vielen Sorgen und Krankheiten sowie Krisen. Nun schließt ein bekannter Industrie-Riese aus Baden-Württemberg das nächste Werk und sorgt dafür für neue Zweifel bei Belegschaft und Wirtschaftsweisen.

Viele Unternehmen, groß und klein gleichermaßen, setzen auf einen Sparkurs angesichts der verstärkten Krisen und Teuerungen bei allen Rohstoffen. Nun schließt sogar ein Industrie-Riese aus Baden-Württemberg das nächste Werk.

Zwischen Zukunftsdruck und Sparzwang: Warum die Autozulieferer immer stärker unter Druck geraten

Die Umbrüche in der Automobilbranche machen sich inzwischen in ganz Europa bemerkbar. Vor allem große Zulieferer kämpfen mit steigenden Kosten, schwankender Nachfrage und dem teuren Umbau hin zur Elektromobilität. Viele Unternehmen prüfen deshalb ihre Standorte deutlich strenger als noch vor wenigen Jahren. Auch ZF Friedrichshafen steht seit längerer Zeit unter erheblichem Druck. Der Konzern zählt zwar weiterhin zu den wichtigsten Autozulieferern Europas, gleichzeitig lasten hohe Schulden und sinkende Produktionszahlen auf dem Unternehmen.

Für Beschäftigte wächst dadurch die Unsicherheit spürbar. Arbeitsmarktexperten raten Fachkräften aus der Industrie inzwischen verstärkt zu Weiterbildungen in Bereichen wie Software, Automatisierung oder Hochvolttechnik für E-Autos. Gerade dort entstehen trotz Krise weiterhin neue Stellen. Interessant ist außerdem: Laut Branchenverbänden verändert sich die klassische Zulieferindustrie aktuell schneller als seit Jahrzehnten nicht mehr. Viele Werke, die früher vor allem Teile für Verbrennungsmotoren oder Fahrwerkstechnik produzierten, müssen ihre Ausrichtung komplett neu überdenken. Genau in diesem Umfeld fällt nun die nächste schwere Entscheidung bei ZF.

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Schließung eines weiteren Werkes: Mehr als 300 Beschäftigte betroffen

Der Konzern plant, den Standort im österreichischen Lebring bis Ende 2027 vollständig zu schließen. Mehr als 300 Mitarbeiter verlieren dadurch ihren Arbeitsplatz. Die Produktion soll schrittweise beendet und später teilweise nach Polen und in die Slowakei verlagert werden. ZF begründet den Schritt mit schwierigen Marktbedingungen, geopolitischen Unsicherheiten und geringeren Produktionsmengen. Nach Angaben des Unternehmens fehle dem Werk langfristig eine wirtschaftlich tragfähige Perspektive. Ein dauerhafter Betrieb sei offenbar nur mit finanzieller Unterstützung anderer Standorte möglich.

Besonders kritisch sehen Arbeitnehmervertreter allerdings, dass der Standort zuletzt als moderner Mechatronikbetrieb mit Entwicklungs-Kompetenz galt. Gerade deshalb sorgt die Entscheidung intern für großen Unmut. Der Europäische Betriebsrat fordert inzwischen Alternativen zur vollständigen Schließung. Für viele Beschäftigte beginnt damit eine schwierige Phase. Experten empfehlen Betroffenen, frühzeitig Qualifizierungsangebote, Transfergesellschaften oder interne Wechselmöglichkeiten zu prüfen. Fachkräfte aus technischen Berufen gelten trotz der Krise weiterhin in mehreren Industriebereichen als gefragt.

(Quellen: ZF Friedrichshafen, Betriebsrat, Unternehmensangaben, dpa)