Insolvenz-Drama: Baden-Württemberg trauert um Traditionsfirma

In einer großen Werkshalle auf einem Firmengelände gibt es keine Mitarbeiter mehr. Die Halle steht leer, bis auf die Einrichtung, die es hier gibt. Es findet jedoch keine Produktion mehr statt.
Symbolbild © istockphoto/lechatnoir

Baden-Württemberg trauert um ein Unternehmen, das über 165 Jahre lang eine ganze Stadt geprägt hat. Nach finanziellen Einbrüchen steht fest: Für den Großteil der Belegschaft gibt es keine Zukunft.

In einer baden-württembergischen Kleinstadt herrscht Fassungslosigkeit: Ein traditionsreicher Arbeitgeber steht vor dem Aus – mit bitteren Folgen.

Ein Verlust für eine ganze Stadt

Es ist ein Schock, der tief sitzt – vor allem in Emmendingen, wo ein Unternehmen seit Generationen fest in der Identität der Stadt verankert war. Einst als Familienbetrieb gegründet, prägte der Anlagenbauer seit über 165 Jahren das wirtschaftliche und gesellschaftliche Leben im Ort. Doch nun ist klar: Die traditionsreiche Firma kann nicht als Ganzes gerettet werden. Die Gründe für den Niedergang sind komplex: der Wegfall des wichtigen Russland-Geschäfts, der Verlust von zwei bedeutenden Großaufträgen, Schwierigkeiten bei der Umstellung der internen Software sowie ein schwerer Hackerangriff im Mai 2024. Dieser legte Produktion und Kommunikationssysteme weitgehend lahm. Schon zuvor hatten die Geschäftszahlen Alarm geschlagen: Bei einem Umsatz von 50 Millionen Euro stand im Geschäftsjahr 2022/23 ein Verlust von 17 Millionen Euro im Raum.

Bei dem betroffenen Betrieb handelt es sich um die Wehrle-Werk AG, einen international anerkannten Spezialisten in der Umwelttechnik. Das Unternehmen entwickelt Lösungen für die thermische Entsorgung von Abfällen, die Verbrennung von Klärschlamm zur Phosphorrückgewinnung sowie für die industrielle Aufbereitung und Wiederverwendung von Abwasser. Zudem behandelt Wehrle Sickerwasser, Gülle und Gärreste – und gilt als erfahrener Partner im Großteilebau für den Maschinen- und Anlagenbau.

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Nur ein kleiner Teil bleibt in Emmendingen

Der vom Amtsgericht eingesetzte Insolvenzverwalter suchte intensiv nach einem Investor. Doch eine Komplettlösung blieb aus. Lediglich ein französischer Investor steigt ein – jedoch nur für den Geschäftsbereich Wasseraufbereitung und dessen 35 Mitarbeiter. Dieser Teil soll zunächst in Emmendingen weiterlaufen, allerdings nur befristet für maximal drei Jahre. Für den Rest des Unternehmens, insbesondere die Geschäftsbereiche Anlagen- und Kesselbau, kommt dagegen jede Hilfe zu spät. Rund 170 Mitarbeiter verlieren ihren Arbeitsplatz.

Immerhin erhalten 125 Beschäftigte die Möglichkeit, in eine Transfergesellschaft zu wechseln, in der sie für ein halbes Jahr noch 80 Prozent ihres bisherigen Gehalts beziehen. Doch was passiert mit dem Werksgelände am Stadtrand? Teile des Stammwerks stehen bereits leer. Die Stadt besitzt für einige Flächen ein Vorkaufsrecht – doch noch ist unklar, wie sich das einst pulsierende Herz der lokalen Industrie künftig füllen lässt.

(Quellen: dpa, Amtsgericht Freiburg, Wehrle-Werk AG, Stadt Emmendingen)