Irres Projekt in Baden-Württemberg – Frittenfett treibt Müllautos an

Heißes Frittierfett in einer großen industriellen Fritteuse. Die Oberfläche ist von zahlreichen Bläschen und Schaum bedeckt, während das Fett dunkelbraun und goldbraun schimmert.
Symbolbild © istockphoto/leotenorio

Ein kurioses Projekt in Baden-Württemberg macht aus altem Frittenfett plötzlich wertvollen Rohstoff: Was Haushalte sonst wegschütten, könnte künftig Müllautos antreiben und dabei gleich mehrere Probleme lösen.

Was sonst im Abfluss landet, könnte plötzlich den Müllwagen antreiben: Im Neckar-Odenwald-Kreis wird aus Küchenfett eine erstaunliche Energie-Idee.

Plötzlich wird aus altem Fett wertvoller Sprit

Es klingt ein wenig verrückt: Wer nach dem Braten Öl oder nach dem Frittieren Fett übrig hat, kann damit inzwischen indirekt Müllautos auf die Straße bringen. Genau das passiert im Neckar-Odenwald-Kreis. Seit 2024 sammeln Haushalte in Haßmersheim und Walldürn ihre alten Speiseöle und Fettreste an speziellen Automaten. Rapsöl aus der Pfanne, Frittenfett oder sogar Öl aus einer Sardinenbüchse – nichts davon soll mehr im Abfluss verschwinden. Aus den gesammelten Resten lässt sich sogenannter HVO-Kraftstoff herstellen.

Und die bisher gesammelte Menge hat es in sich: Rechnerisch reicht sie bereits aus, um dauerhaft zwei große Müllfahrzeuge zu betreiben. Deutschlandweit ist das nach Angaben der Verantwortlichen bislang einmalig. Der Haken: Noch kann der Kreis seinen eigenen Fett-Kraftstoff nicht tanken. In Deutschland gibt es derzeit kein Unternehmen, das aus den gesammelten Speiseölen vor Ort HVO herstellt. Die beiden Müllfahrzeuge der Neckar-Odenwälder Abfallwirtschaftsgesellschaft fahren deshalb mit HVO-Diesel aus Norwegen.

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Siebzig Liter Diesel – auf 100 Kilometer

Der Antrieb der Idee ist nicht nur der Klimaschutz. Müllfahrzeuge schlucken ordentlich Sprit. In der hügeligen Landschaft zwischen Neckar, Odenwald und Bauland verbraucht ein Fahrzeug laut AWN rund siebzig Liter Diesel auf 100 Kilometer. Das Pilotprojekt soll deshalb bis Ende 2027 weiterlaufen. Der Kreistag will 2027 beraten, ob künftig alle Städte und Gemeinden des Neckar-Odenwald-Kreises mitmachen. Auch die Metropolregion Rhein-Neckar hat das Vorhaben in ihre Bioökonomie-Strategie aufgenommen.

Nebenbei löst die Sammlung ein ziemlich unappetitliches Problem: Wer Speiseöl in den Ausguss kippt, riskiert verstopfte Rohre und verursacht zusätzlichen Aufwand in Kläranlagen. Und bevor jetzt jemand auf die Idee kommt, einfach die nächste Flasche Sonnenblumenöl in den Tank seines Autos zu schütten: Bloß nicht! Moderne Dieselmotoren mit Common-Rail-Einspritzung sind auf die Eigenschaften von Diesel ausgelegt. Speiseöl ist deutlich zähflüssiger und kann Einspritzdüsen, Leitungen und im schlimmsten Fall den gesamten Motor beschädigen. Die kuriose Geschichte hat allerdings einen historischen Twist: Rudolf Diesel entwickelte seinen Motor einst tatsächlich mit pflanzlichen Ölen im Hinterkopf. Bei modernen Autos bleibt Frittenfett im Tank trotzdem eine schlechte Idee.

(Quellen: KWiN, AWN)