
Die Kosten steigen, die Termine wackeln – und das Mega-Projekt Stuttgart 21 bleibt weiter ohne Eröffnungsdatum. Hinter den Kulissen wird nun bereits über eine Fertigstellung nach 2030 gesprochen.
Seit Jahren wird gebohrt, gebaut und vertröstet. Indessen droht dem Mega-Projekt in Stuttgart die nächste bittere Wendung – und ein Ende ist nicht in Sicht.
Termin? Weiter Fehlanzeige!
Beim Milliardenprojekt Stuttgart 21 herrscht erneut Nebel statt Fahrplan. Medienberichte sprechen von einer möglichen Inbetriebnahme nicht vor 2030. Ein Insider soll davon ausgehen, dass die komplette Fertigstellung noch Jahre dauern wird. Offiziell bleibt die Bahn vage: Man äußere sich nicht zu Spekulationen, heißt es knapp. Fest steht nur: Bis spätestens Mitte 2026 soll ein neues Inbetriebnahmekonzept vorliegen. Ein konkretes Eröffnungsdatum? Fehlanzeige. Dabei war der Zeitplan schon mehrfach geändert worden. Ursprünglich sollte das Herzstück des Projekts 2019 eröffnen. Zuletzt galt Dezember 2026 als Zielmarke. Doch selbst die geplante Teilinbetriebnahme Ende 2026 ist nicht mehr zu halten.
Baden-Württembergs Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) reagiert skeptisch. Noch sei die neuerliche Verschiebung nur eine Medienmeldung – aber seine Erfahrung mit dem Projekt lehre: „Was vorab durchsickert, wird am Ende oft Realität.“ Besonders bei der digitalen Steuerungstechnik klemme es gewaltig. Unternehmen bräuchten Planungssicherheit, doch die fehle. Schon im November hatte Bahnchefin Evelyn Palla Probleme bei der Digitalisierung des Bahnknotens eingeräumt. Statt eines neuen Starttermins kündigte sie eine umfassende Überprüfung an.
Kosten explodieren – und keiner bremst
Nicht nur der Zeitplan gerät ins Rutschen, auch die Kosten kennen seit Jahren nur eine Richtung: nach oben. 2009 war im Finanzierungsvertrag noch von rund 4,5 Milliarden Euro die Rede. Inzwischen beziffert die Bahn das Projekt auf etwa 11,3 Milliarden Euro. Die Mehrkosten muss sie nach einem Gerichtsurteil allein tragen. Dabei geht es um weit mehr als einen neuen Bahnhof. Stuttgart Hauptbahnhof wird komplett umgekrempelt. Aus dem traditionsreichen Kopfbahnhof soll ein moderner Durchgangsbahnhof unter der Erde werden. Hinzu kommen neue Strecken, Tunnel, Brücken und ein Fernbahnhof am Flughafen. Teil des Gesamtprojekts Stuttgart–Ulm ist auch die 2022 eröffnete Schnellfahrstrecke Wendlingen–Ulm.
Während weiterhin gebaut wird, strömen bereits die Neugierigen herbei. Zum zehnten Mal öffnet die Baustelle an Ostern für Besucher. Die kostenlosen Tickets dürften schnell vergriffen sein. Der Baustellenweg rund um den Hauptbahnhof ist längst Kult – in einer Wander-App wurde die 1,1-Kilometer-Strecke sogar als Fernwanderweg eingetragen.
(Quellen: eigene Recherche der KA-Insider-Redakteure, SWR)














