
Ein Kult-Unternehmen greift überraschend zum Rotstift und streicht Stellen in Baden-Württemberg – und das, obwohl die Zahlen eigentlich stimmen. Warum nun trotzdem Stellen gestrichen werden müssen, überrascht viele.
Ein Traditionsname trotzt der Krise, steigert sogar den Umsatz – und trotzdem sollen Dutzende Jobs wegfallen. Was hinter dem überraschenden Sparkurs eines Kult-Unternehmens steckt.
Trotz Umsatzplus: Jetzt trifft es die Mitarbeiter
Auf den ersten Blick läuft es rund beim Traditionsunternehmen Mey: Der Premium-Wäschehersteller aus Albstadt-Lautlingen konnte seine Marktführerschaft in Deutschland behaupten und den Umsatz im Jahr 2025 sogar leicht auf 128 Millionen Euro steigern. Gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten klingt das nach einer Erfolgsgeschichte. Doch hinter den Kulissen sieht die Realität deutlich düsterer aus.
Denn obwohl sich Mey nach eigenen Angaben „trotz harten Wettbewerbs und konjunkturellen Gegenwinds“ behauptet hat, kündigt das Familienunternehmen nun einen Stellenabbau am Stammsitz in Baden-Württemberg an. Besonders betroffen ist die Näherei: Rund 40 Arbeitsplätze sollen im Laufe des Jahres wegfallen. Für die Beschäftigten ist das ein Schock. Denn Mey gilt als traditionsreicher und verlässlicher Arbeitgeber in der Region. Seit der Gründung im Jahr 1928 steht das Unternehmen für hochwertige Nachtwäsche und Dessous „Made in Germany“. Umso überraschender kommt nun die Nachricht, dass trotz stabiler Geschäfte Personal reduziert werden muss.
Warum ein Traditionsbetrieb jetzt sparen muss
Der Grund liegt nicht in fehlenden Umsätzen, sondern im wachsenden wirtschaftlichen Druck. Das Unternehmen verweist auf intensiven Wettbewerb, verändertes Kaufverhalten und zunehmend schlechtere Bedingungen für die Textilproduktion in Deutschland. Hohe Lohn- und Energiekosten, wachsende Bürokratie und sinkende Margen setzen selbst erfolgreichen Herstellern zu. Geschäftsführer Florian Mey macht deutlich, dass es keine leichte Entscheidung sei. Als Familienunternehmen fühle man sich dem Standort eng verbunden, müsse aber auf die wirtschaftlichen Entwicklungen reagieren. Ziel sei es, betriebsbedingte Kündigungen möglichst zu vermeiden. Der Stellenabbau solle deshalb vor allem über natürliche Fluktuation und freiwillige Lösungen erfolgen. Am Standort Albstadt beschäftigt Mey derzeit rund 480 Mitarbeiter, deutschlandweit sind es etwa 750, europaweit rund 1.200.
Mey ist kein Einzelfall. Laut dem Institut der Deutschen Wirtschaft planen fast dreißig Prozent aller Unternehmen in Deutschland noch in diesem Jahr einen Stellenabbau. Besonders hart trifft es die Industrie: Mehr als jedes dritte Unternehmen rechnet dort mit weniger Personal.
(Quellen: eigene Recherche der KA-Insider-Redakteure, Schwäbische Zeitung)














