Kult-Geschäft schließt nach Jahrzehnten in Baden-Württemberg

Menschen, die durch die Innenstadt laufen und an verschiedenen Geschäften vorbeikommen. Einige kommen mit Einkaufstüten aus den Läden. Die Fußgängerzone ist gut besucht.
Symbolbild © imago/Funke Foto Services

Ein weiteres Traditionsgeschäft in Baden-Württemberg schließt nach Jahrzehnten. Das Aus trifft nicht nur die Stammkunden hart, sondern ist auch ein alarmierendes Signal für den Einzelhandel.

Ein weiteres Traditionsgeschäft verschwindet aus Baden-Württemberg: Nach Jahrzehnten gibt ein beliebter Laden auf. Die Gründe stehen beispielhaft für eine dramatische Entwicklung.

Nach fast 31 Jahren ist Schluss

Wieder verschwindet ein Stück Einzelhandelsgeschichte in Baden-Württemberg: Das Fachgeschäft Angelsport Dohm in Albstadt-Ebingen steht vor dem Aus. Seit dem 10. März läuft der Räumungsverkauf, am 18. April war endgültig Schluss. Damit verliert der Zollernalbkreis nicht nur ein Spezialgeschäft, sondern auch das einzige Angel-Fachgeschäft weit und breit.

Auf ihrer Internetseite informiert Betreiberin Antje Dohm zunächst knapp über das Ende ihres Ladens. „Räumungsverkauf wegen Geschäftsaufgabe“, heißt es dort nüchtern. Der Grund: Das Gebäude soll verkauft werden, der Mietvertrag wurde gekündigt. Eine neue passende Fläche? Fehlanzeige. Doch hinter dem Aus steckt weit mehr als nur ein verlorener Standort. Denn was zunächst wie eine gewöhnliche Geschäftsaufgabe klingt, ist in Wahrheit ein weiteres alarmierendes Zeichen für die schwierige wirtschaftliche Lage im stationären Einzelhandel.

Betreiberin rechnet mit der Wirtschaftslage ab

Deutlich wird das in den offenen Worten der Inhaberin. Antje Dohm schildert, dass ein Neuanfang an anderer Stelle wirtschaftlich kaum noch tragbar sei. Die Region leide unter Kurzarbeit, Insolvenzen und sinkender Kaufkraft. Dazu kämen Inflation und die wachsende Unsicherheit vieler Kunden. Für die Unternehmerin wäre ein Neustart deshalb, wie sie selbst schreibt, „wirtschaftlich grober Unfug“. Nach fast 31 Jahren endet damit ein Kapitel, das viele Kunden über Jahrzehnte begleitet hat.

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Immer mehr Händler in Deutschland kämpfen ums Überleben. Seit Ende 2015 ist die Zahl der Ladengeschäfte bundesweit um rund 70.000 gesunken. Nach Berechnungen des Handelsverbands Deutschland dürfte die Zahl 2026 auf nur noch 296.600 Geschäfte fallen – ein neuer Tiefstand. Während der Onlinehandel 2025 wieder zulegen konnte, stagniert der stationäre Einzelhandel. Nur noch wenige Händler bewerten ihre Lage als gut, viele erwarten weiter sinkende Umsätze. Als zusätzliche Belastung gilt die Konkurrenz durch asiatische Plattformen wie Temu oder Shein, gegen die sich viele lokale Händler kaum behaupten können. Der Handelsverband Deutschland fordert deshalb, die bisher geltende Zollfreigrenze von 150 Euro möglichst rasch abzuschaffen, um Wettbewerbsnachteile und Umgehungen bei Importen zu verhindern.

(Quellen: eigene Recherche der KA-Insider-Redakteure, Schwäbische Zeitung, Schwarzwälder Bote)