Mehr Sichtungen: Wölfe breiten sich weiter im Schwarzwald aus

Ein Rudel von Wölfen steht mitten im Wald. Die drei wilden Tiere stehen nebeneinander in der Natur. Ihr Fell ist braun-gräulich und sie schauen gebannt in die Ferne. Die Wölfe in Deutschland vermehren sich.
Symbolbild © istockphoto/heckepics

Im Schwarzwald häufen sich die Hinweise. Fotofallen, Sichtungen und genetische Spuren zeigen: Die Wölfe breiten sich weiter aus. Experten beobachten besonders im Nordschwarzwald eine zunehmende Aktivität der Tiere.

Immer häufiger tauchen Hinweise auf ein Tier auf, das lange als verschwunden galt – im Schwarzwald bewegt sich etwas.

Neue Spuren im Nordschwarzwald

Im dichten Wald zwischen Gernsbach, Forbach, Neuweiler und Pfalzgrafenweiler häufen sich derzeit Hinweise auf einen geheimnisvollen Rückkehrer. Die Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg (FVA) bestätigt: In den vergangenen Wochen sind im Nordschwarzwald mehrere Wolfsnachweise dokumentiert worden. Besonders aktiv scheint aktuell das sogenannte Territorium Enztal (ENZ) zu sein. Hier wurden wiederholt Aufnahmen von Fotofallen gesichert sowie Losungen – also Kotproben – gefunden, die genetisch untersucht werden konnten. Dabei tauchten sogar bekannte Tiere wieder auf.

Unter ihnen sind die Wölfin GW4816f, eine sogenannte Fähe, sowie ein territorialer Rüde mit der Kennung GW852m. Beide sind den Forschern bereits aus früheren Nachweisen bekannt. Auch im Gebiet rund um die Hornisgrinde gibt es Bewegung. Dort sammelte man ebenfalls mehrere Hinweise – zuletzt sogar eine direkte Sichtung eines Wolfs Ende März bei Forbach.

Rückkehr eines lange verschwundenen Raubtiers

Im Südschwarzwald wurde bereits im Januar ein Wolf bei Schluchsee nachgewiesen. Auf der Baar bei Geisingen gelang erst am 31. März eine neue Fotofallenaufnahme. Ein weiterer Einzelhinweis stammt aus Baiersbronn – außerhalb der bisher bekannten Reviere. Alle Daten stammen aus dem landesweiten Wolfsmonitoring. Dabei sammeln Experten Hinweise wie Sichtungen, Risse von Nutztieren, Fotofallenbilder oder Losungen. Wenn möglich, analysiert man diese genetisch, um einzelne Tiere eindeutig zu identifizieren. Das Ziel: genau zu verfolgen, wie sich die streng geschützte Art in Baden-Württemberg ausbreitet. Noch leben die Tiere in klar abgegrenzten Territorien. Ein flächendeckendes Vorkommen gibt es bislang nicht.

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Für Menschen bedeutet das: Begegnungen bleiben selten. Wölfe gelten als scheu und meiden normalerweise den Kontakt mit Menschen. Wer dennoch einen sieht, sollte Ruhe bewahren, Abstand halten, das Tier nicht verfolgen und die Beobachtung den Behörden melden. Trotzdem sorgt das Thema immer wieder für Diskussionen. Erst kürzlich wurde eine Frau in Hamburg mutmaßlich von einem Wolf gebissen – laut Behörden der erste bekannte Angriff dieser Art seit 1998. Dabei galt der Wolf in Deutschland rund 150 Jahre lang als ausgerottet. Erst nach dem Mauerfall wanderten Tiere aus Polen wieder ein. Heute leben laut dem Bundesamt für Naturschutz im Monitoringjahr 2023/24 rund 1.601 Wölfe in bestätigten Territorien in Deutschland – vor allem im Norden und Nordosten.

(Quellen: eigene Recherche der KA-Insider-Redakteure, Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg, NRWZ)