Mini-Supermärkte eröffnen rund um die Uhr in Baden-Württemberg

Eine Kundin hält einen roten Einkaufskorb in der Hand und geht mit schnellen Schritten in den Supermarkt. Am Eingang stehen Obst, Gemüse, Blumen und Kräuter.
Symbolbild © istockphoto/krblokhin

Licht an und Scanner bereit: In Baden-Württemberg öffnen Mini-Supermärkte künftig auch an Sonntagen rund um die Uhr. Was das Einkaufserlebnis verändert, löst jedoch auch Streit aus.

Was früher verschlossene Türen und stille Schaufenster waren, könnte bald zur neuen Normalität werden. Eine leise Revolution verändert das Einkaufen im Südwesten.

Einkauf ohne Pause – aber nicht ohne Regeln

Wo früher am Sonntag gähnende Leere herrschte, locken nun hell erleuchtete Regale, piepende Scanner und offene Türen. Allerdings ohne Kassierer, ohne Verkäufer und ohne Small Talk. Die Rede ist von vollautomatisierten Mini-Supermärkten, die zunehmend das Bild vor allem im ländlichen Raum prägen. Der Landtag hat den Weg dafür freigemacht: Künftig dürfen diese Mini-Supermärkte auch an Sonn- und Feiertagen rund um die Uhr öffnen.

Möglich wird das durch eine Änderung des Ladenöffnungsgesetzes, die eine bislang bestehende rechtliche Grauzone beendet. Die Bedingung ist klar: Es darf kein Personal vor Ort arbeiten. Nur dann ist der durchgehende Betrieb erlaubt. Ganz grenzenlos ist die neue Freiheit allerdings nicht. Die Läden dürfen maximal 150 Quadratmeter Verkaufsfläche haben und ausschließlich Waren des täglichen Bedarfs anbieten – also Lebensmittel, Getränke oder Hygieneartikel. An vier hohen christlichen Feiertagen bleibt trotzdem alles dunkel: Karfreitag, Ostersonntag, Pfingstsonntag und der erste Weihnachtstag sind tabu. Und auch sonst gilt: Regale auffüllen, putzen oder umbauen ist sonntags verboten. Eine Ausnahme gibt es jedoch: Frische Backwaren dürfen weiterhin nachgelegt werden.

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Segen für Dörfer, Ärgernis für Kritiker

Nach Schätzungen der Dualen Hochschule Baden-Württemberg existieren im Land bereits rund 180 solcher Mini-Supermärkte. Viele davon stehen in kleineren Gemeinden, wo sie eine wichtige Rolle für die Nahversorgung spielen. Für Menschen ohne Auto oder mit langen Arbeitszeiten sind sie oft die letzte Einkaufsoption. Doch nicht alle jubeln. Schon 2023 warnte die Allianz für den freien Sonntag, ein Bündnis aus Kirchen und Gewerkschaften, vor einer schleichenden Aushöhlung des Sonntagsschutzes. Sie fürchten Wettbewerbsnachteile für klassische Läden.

Die Kommunen behalten immerhin ein Mitspracherecht: Sie dürfen die Öffnung an Sonn- und Feiertagen einschränken, etwa um Gottesdienste zu schützen. Komplett verbieten können sie den Betrieb jedoch nicht – mindestens acht Stunden müssen möglich bleiben. Baden-Württemberg ist dabei übrigens spät dran. Hessen etwa hat bereits 2024 ähnliche Regeln eingeführt, dort allerdings mit kleineren Läden.

(Quellen: eigene Recherche der KA-Insider-Redakteure)