
Wenn die Lichter in den Casinos ausgehen könnten: In Baden-Württemberg droht ein Warnstreik, und die Spielbanken geraten unter Druck – mitten im Tarifstreit und im Wandel einer ganzen Branche.
Ein Wochenende, das in den glitzernden Hallen der Casinos völlig anders verlaufen könnte als geplant: In Baden-Württemberg bahnt sich ein Arbeitskampf an, der die Spielbanken kalt erwischen soll.
Hinter den Kulissen brodelt es schon länger
In den landeseigenen Spielbanken in Baden-Baden, Stuttgart und Konstanz wächst der Druck, denn am Samstag soll in den Casinos in Baden-Württemberg erstmals in der Geschichte ein Warnstreik stattfinden. Die Gewerkschaft ver.di ruft die Beschäftigten dazu auf, von 16 Uhr bis in die Nacht die Arbeit niederzulegen. Vor den Häusern sind Streikversammlungen geplant. Die Arbeitgeberseite, die Baden-Württembergische Spielbanken GmbH, zeigt sich betroffen. Geschäftsführer Tobias Wald sprach von laufenden Gesprächen über einen einheitlichen Tarifvertrag und bedauert die Eskalation. Man setze auf eine schnelle und faire Lösung.
Der Konflikt ist festgefahren. Zwei Verhandlungsrunden blieben ohne Ergebnis, ein neuer Termin steht nicht fest. Die Gewerkschaft lehnt ein zuletzt vorgelegtes Angebot mit Einmalzahlungen ab. Sie fordert 350 Euro Sockelbetrag plus drei Prozent Lohnerhöhung rückwirkend ab Januar. Hinzu kommt zusätzliche Spannung: Die Spielbanken kündigten im Herbst auch Regelungen zur betrieblichen Altersvorsorge und Gesundheitsförderung. Für viele Beschäftigte ein weiterer Konfliktpunkt.
Branche im Wandel zwischen Onlineboom und Casinoflair
Der Streit fällt in eine Zeit großer Umbrüche in der Glücksspielwelt. Seit 2021 gilt in Deutschland der einheitliche Glücksspielstaatsvertrag für Online-Spielotheken, Pokerspiele und Sportwetten. Trotzdem behalten die Bundesländer eigene Hoheitsrechte und können Sonderwege gehen. Während klassische Spielotheken vielerorts verschwinden, wächst der Online-Markt stark. Auch international wird das Geschäft strenger reguliert und gleichzeitig globaler. Besonders einflussreich ist Malta, wo die Malta Gaming Authority Lizenzen für Anbieter vergibt und als seriöse Instanz gilt. Auch in den USA und Asien sind die Märkte groß, aber kaum vergleichbar.
Spielbanken nehmen dabei eine Sonderrolle ein: Sie bieten Roulette, Poker und Blackjack statt reiner Automatenangebote. Das gehobene Ambiente zieht ein anderes Publikum an und macht viele Häuser zu Tourismusmagneten. In Deutschland gibt es über sechzig staatlich konzessionierte Spielbanken, die sich bislang auch gegen den Onlineboom behaupten konnten.
(Quellen: Gewerkschaft ver.di, Spielbanken Baden-Württemberg, Tarifverhandlungen, dpa)














