
In Baden-Württemberg gibt ein Ort Rätsel auf: Plötzlich erscheint ein ganzer See auf einer unscheinbaren Wiese – doch niemand weiß genau, wann er wieder auftaucht oder verschwindet.
Erst ist da nur eine unscheinbare Wiese. Dann steigt plötzlich Wasser aus dem Boden – und verwandelt sie in einen geheimnisvollen See.
Plötzlich steht die Wiese unter Wasser
Wer auf der Eichener Höhe südlich von Schopfheim unterwegs ist, dürfte zunächst kaum etwas Besonderes vermuten. Doch genau hier spielt sich eines der rätselhaftesten Naturphänomene Deutschlands ab. Denn manchmal verändert sich die Landschaft innerhalb weniger Tage dramatisch. Wasser drückt aus dem Untergrund, sammelt sich auf der Wiese und lässt einen See entstehen, der zuvor nicht vorhanden war. Der sogenannte Eichener See kann dabei bis zu drei Meter tief werden und rund 2,5 Hektar Fläche überfluten.
Rund vierzig Meter unter der Erde liegen wasserführende Höhlen und Gänge. Nach ergiebigem Regen oder starker Schneeschmelze steigt dort der Wasserdruck. In Zukunft reichen die unterirdischen Abflüsse nicht mehr aus. Das Wasser bahnt sich seinen Weg durch die Kalkschichten und tritt mitten auf der Wiese zutage. Der Pegel steigt dann erstaunlich schnell: Bis zu vierzehn Zentimeter pro Tag sind möglich. Nach etwa ein bis fünf Wochen ist der Höchststand erreicht. Einen oberirdischen Zu- oder Abfluss besitzt der See nicht.
Er kommt – und verschwindet wieder
Noch verblüffender ist, was danach passiert. Das Wasser versickert langsam im Untergrund. Zurück bleibt eine Wiese, die aussieht, als wäre nie etwas geschehen. Wann der See wieder auftaucht, lässt sich nicht zuverlässig vorhersagen. Mal erscheint er mehrfach in kurzer Zeit, dann bleibt er über Jahre aus. In den vergangenen hundert Jahren zeigte sich das Naturphänomen allerdings nur rund zwanzigmal. Bereits 1772 sollen fünf Männer im Eichener See ertrunken sein. Ende des 18. und Anfang des 19. Jahrhunderts trat er besonders häufig auf und drohte zeitweise sogar, gegen das Dorf Eichen auszubrechen. Weitere Todesopfer sind aus den Jahren 1876 und 1910 überliefert.
Doch der See birgt nicht nur Gefahren, sondern auch einen biologischen Schatz: Hier lebt Tanymastix lacunae, ein nur etwa zwei Zentimeter großer, weißlicher Krebs. Er gehört zu den seltensten Tieren Europas. Seine Dauereier benötigen die Trockenphase, bevor sich der nächste Lebenszyklus entwickeln kann. Seit 1983 steht das Gebiet als Naturdenkmal unter Schutz – und jedes Auftauchen macht die unscheinbare Wiese erneut zum Schauplatz eines kleinen Naturwunders.
(Quellen: LUBW, LGRB Baden-Württemberg, Regierungspräsidium Freiburg)














