Nach über 100 Jahren ist Schluss – Traditionsbetrieb in BW gibt auf

Auf einem roten Schild an den Glastüren eines geschlossenen Kaufhauses steht "Schluss.... Aus.... Ende! Leider geschlossen" wegen der Schließung des Geschäfts.
Symbolbild © istockphoto/ranconiaphoto

Noch werden die letzten Möbel verkauft, doch die Tage des traditionsreichen Familienbetriebs sind gezählt. Nach mehr als 100 Jahren ist Schluss – und ein neuer Eigentümer steht bereits fest.

Ein Räumungsverkauf läuft, bald bleiben die Türen für immer geschlossen: In Schwäbisch Hall endet die Geschichte eines bekannten Familienunternehmens.

Eine Möbel-Institution macht nun dicht

Für das Möbelhaus Gunst und den „NimmMit“-Markt im Handelszentrum West von Schwäbisch Hall endet eine Ära. Nach mehr als 100 Jahren ist Schluss. Noch läuft der Räumungsverkauf – doch schon bald wird das Traditionsunternehmen endgültig seine Türen schließen. Knapp dreißig Menschen arbeiten derzeit noch bei dem Familienbetrieb. Damit verschwindet auch der größte Möbelhändler im Haller Stadtgebiet. Der Grund für die Schließung: sinkende Umsätze. Spätestens mit dem Beginn des russischen Angriffs auf die Ukraine sei die Situation laut dem Geschäftsführer noch schwieriger geworden. Das Unternehmen gibt jedoch nicht wegen einer Insolvenz auf. Vielmehr sei es eine bewusste Entscheidung gewesen, den Betrieb zu beenden.

Die Probleme sind allerdings nicht nur in Schwäbisch Hall zu spüren. Auch andere Möbelhändler kämpfen mit einer schwierigen Marktlage. Die Branche ist laut Experten nach Jahren der Expansion inzwischen mit einem gesättigten Markt konfrontiert. Hinzu kommt starke Konkurrenz: Der Neubau von Möbel Rieger in Heilbronn zieht auch Kunden aus Schwäbisch Hall an. In Crailsheim sorgt zudem Möbel Bohn für Konkurrenz.

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Für die Gebäude gibt es bereits einen Käufer

Während bei Gunst bald die Lichter ausgehen, ist die Zukunft der beiden Handelsgebäude bereits geklärt. Der Flugzeugsitzhersteller Recaro hat die Gebäude nach Medienberichten gekauft. Wie die Flächen künftig genutzt werden, ist allerdings noch offen. Beim großen Lagergebäude, einige hundert Meter entfernt, laufen die Verhandlungen noch.

Der Rückzug fällt in eine ohnehin schwierige Zeit für die deutsche Möbelbranche. 2025 sank der Umsatz der deutschen Hersteller nach vorläufigen amtlichen Zahlen um 3,4 Prozent auf knapp 15,8 Milliarden Euro – der niedrigste Wert seit 2009. Corona-Nachwirkungen und zurückhaltende Verbraucher setzen den Unternehmen zu. Viele Haushalte hatten während der Pandemie ihre Einrichtung erneuert. Nun fehlt es an Nachfrage. Auch der stockende Wohnungsbau setzt den Unternehmen zu. Zwar hat die Zahl der Baugenehmigungen zuletzt etwas angezogen, von einer Entspannung kann jedoch keine Rede sein. Das Frühjahrsgutachten des Zentralen Immobilien-Ausschusses geht bis 2040 von einem Bedarf von jährlich 257.400 neuen Wohnungen aus. In diesem Jahr werden voraussichtlich allerdings nur rund 215.000 Wohnungen fertig. Weniger neue Wohnungen bedeuten auch weniger neue Einrichtungsgegenstände.

(Quellen: SWR, VDM)