Nächstes Traditionsgeschäft verschwindet in Baden-Württemberg

Passanten laufen bei gutem Wetter durch eine Fußgängerzone in einer deutschen Innenstadt. Die autofreie Gasse lädt zum Flanieren ein – die Geschäfte zum Verweilen. In Baden-Württemberg gehören viele Flaniermeilen zu den schönsten überhaupt.
Symbolbild © imago/Joko

Nach fast zwanzig Jahren ist Schluss: Ein bekanntes Traditionsgeschäft in Stuttgart verschwindet. Die Gründe für das plötzliche Aus zeigen, wie schwer es der stationäre Handel inzwischen hat.

Wer durch die Stuttgarter Innenstadt bummelt, wird bald ein weiteres Schaufenster weniger entdecken. Ein Traditionsname zieht sich zurück.

Abschied aus bester Lage

Viele Passanten dürften es in den vergangenen Tagen bereits bemerkt haben: große Rabatt-Schilder, leerer werdende Regale und auffällig viele Kunden mit Schuhkartons unter dem Arm. Doch was zunächst wie ein gewöhnlicher Saisonverkauf aussieht, bedeutet in Wahrheit das Ende einer langen Geschichte mitten in Stuttgart. Nach fast zwanzig Jahren macht die Wiener Ludwig Reiter Schuhmanufaktur ihre Filiale in der baden-württembergischen Landeshauptstadt dicht. Anfang Juni ist endgültig Schluss. Das Unternehmen, das bereits 1885 gegründet wurde und für handgefertigte Luxusschuhe bekannt ist, verabschiedet sich damit komplett aus Baden-Württemberg.

Die Filiale liegt eigentlich in prominenter Umgebung: direkt am Breuninger-Stammhaus und nahe dem exklusiven Dorotheen Quartier, etwas versteckt in der Münzstraße. Auf der offiziellen Internetseite bleibt das Unternehmen knapp und bedankt sich lediglich bei den Kunden für die langjährige Treue. Deutlich konkreter wird Ludwig Reiter allerdings auf Instagram. Dort heißt es, man habe sich in Stuttgart „immer sehr wohl und geschätzt gefühlt“. Gleichzeitig spricht die Firma aber von „Veränderungen in der Stadtentwicklung“ und einem „spürbar rückläufigen Besucherstrom“. Tatsächlich wurde direkt neben dem Laden zuletzt ein Eckhaus aufwendig saniert. Absperrungen und Baustellen prägten monatelang das Bild in der Umgebung. Der große Abverkauf läuft bereits seit dem 7. Mai und dauert noch bis zum 6. Juni.

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Immer mehr Geschäfte verschwinden

Der Fall Ludwig Reiter ist längst kein Einzelfall mehr. Deutschlandweit kämpfen stationäre Händler ums Überleben. Seit Ende 2015 ist die Zahl der Ladengeschäfte laut Handelsverband Deutschland um rund 70.000 gesunken. Allein in diesem Jahr sollen weitere 4.900 Geschäfte verschwinden – ein neuer Tiefstand. Vor allem der Onlinehandel setzt viele Händler massiv unter Druck. Große Ketten investieren inzwischen Millionen in moderne Technik: autonome Lagersysteme, KI-gestützte Produktempfehlungen oder sogar Roboter im Verkaufsraum. Kleinere und traditionelle Unternehmen können bei diesem Wettlauf oft nicht mithalten.

Hinzu kommt die Kaufzurückhaltung vieler Verbraucher. Hohe Preise, wirtschaftliche Unsicherheit und steigende Energiekosten sorgen dafür, dass viele Menschen ihr Geld lieber zusammenhalten. Für Stuttgart bedeutet das nun erneut einen Abschied von einem traditionsreichen Namen.

(Quellen: Ludwig Reiter, Instagram, eigene Recherche der KA-Insider-Redakteure)