Nicht füttern: Wildtier breitet sich weiter aus in Baden-Württemberg

Schwarzwald mit dem Mummelsee
Symbolbild

Ein Wildtier breitet sich weiter aus in Baden-Württemberg, die ersten Städten führen ein Fütterungsverbot ein.

Damit Nutrias und andere Wildtiere nicht zur Plage werden, hat die Stadt Gaggenau (Landkreis Rastatt) einen Zaun und Hinweisschilder zum Fütterverbot aufgestellt.

Manche Menschen kämen mit tütenweise Brötchen, sagte die Leiterin der städtischenUmweltabteilung, Elke Henschel. Das locke Nilgänse, Enten und Ratten an.

Deren Hinterlassenschaften wie Kot hätten etwa auf Spielplätzen nichts zu suchen. Auch könnten die Tiere krank werden oder nicht heimische Arten könnten alteingesessene verdrängen, heißt es auf den Schildern. «Beobachten Sie die Tiere einfach nur aus der Ferne.»Nutrias – auch Biberratte oder Sumpfbiber genannt – sind laut dem «Wildtierbericht 2018» des Landwirtschaftsministeriums Baden-Württemberg nacht- und tagaktiv. Hauptsächlich ab der Dämmerung und nachts fressen sie Pflanzen.

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Tagsüber ruhen sie sich an Gewässern aus. Die Nagetiere leben in größeren Kolonien zusammen, Jungtiere können schon mit zwei Wochen schwimmen. Sie graben Baue, derenEingang – anders als bei Bibern – über dem Wasser liegt. Nutrias sind gute Schwimmer, an Land allerdings eher unbeholfen.Ursprünglich waren Nutrias in Südamerika beheimatet. Zur Pelzgewinnung kamen sie nach Europa. Ab 1926 gab es dem «Wildtierbericht» zufolge in Deutschland Nutria-Farmen. Immer wieder seien Tiere entwischt. Eine Theorie in Gaggenau besagt, dass einFarmer im Elsass Tiere nach dem Ende der Pelzproduktion absichtlich freiließ, die sich dann ihren Weg Richtung Schwarzwald bahnten.Zum ersten Mal in Baden-Württemberg wurde eine Nutria den Angaben nach 1961 im Neckar-Odenwald-Kreis dokumentiert. Seit den 1980er Jahren häuften sich die Meldungen vor allem aus nördlichen Teilen des Landes. «Von der Oberrheinebene aus konnten sich die Tiere weiter in Baden-Württemberg etablieren und heute noch leben die größtenNutriavorkommen am Oberrhein und seinen Seitenflüssen.» In gut einem Viertel der Gemeinden komme die Nutria inzwischen vor. /dpa