ÖPNV betroffen: Großer Fahrplanwechsel in Baden-Württemberg

Viele Menschen quetschen sich in einen gelben Bus. Der Bus ist stark überfüllt und an den Türen stehen Zeichen für Rollstühle und Kinderwagen.
Symbolbild © istockphoto/freie-kreation

Pünktlichere Anschlüsse, bessere Umsteigemöglichkeiten und mehr Zugverbindungen für Pendler: Mit dem kommenden Fahrplanwechsel in Baden-Württemberg treten zahlreiche Änderungen in Kraft, die den Bahnverkehr spürbar verbessern sollen.

Ab Mitte Juni verändert sich für Tausende Pendler und Bahnreisende im Südwesten einiges. Was auf den ersten Blick unscheinbar wirkt, könnte den Alltag vieler Fahrgäste spürbar erleichtern.

Neue Technik soll Anschlüsse retten

Der Anschlusszug fährt vor der Nase davon, obwohl die Verspätung des vorherigen Zuges nur wenige Minuten beträgt. Genau dieses Ärgernis soll nun deutlich seltener werden. Mit dem Fahrplanwechsel am Sonntag, 14. Juni, treten in Baden-Württemberg neue Regelungen in Kraft, die für mehr Verlässlichkeit beim Umsteigen sorgen sollen. Land, DB InfraGO und die Eisenbahnverkehrsunternehmen haben dazu die sogenannte Wartezeitregel umfassend überarbeitet. Künftig ist klar geregelt, wie lange Züge bei Verspätungen auf Anschlussreisende warten sollen. In den Abendstunden werden die Wartezeiten verlängert. Dadurch will man vor allem die letzten Verbindungen des Tages besser absichern.

Unterstützt werden die neuen Regeln durch moderne Software. Bereits Ende vergangenen Jahres startete die Testphase eines landesweiten Systems, das Anschlussentscheidungen automatisiert. Das Programm überwacht sämtliche Züge in Echtzeit und berechnet, ob ein Anschluss gehalten werden sollte. Anschließend erhalten die Eisenbahnverkehrsunternehmen entsprechende Empfehlungen. Zusätzlich hat man die Umsteigezeiten an wichtigen Bahnhöfen komplett neu bewertet. Dabei flossen die aktuellen Gegebenheiten vor Ort ein. Sogar die jeweiligen Gleise werden künftig berücksichtigt.

Lesen Sie auch
Pro Fahrt 2 Euro: Europas größte Attraktion liegt im Schwarzwald

Mehr Verbindungen für Pendler

Die Hermann-Hesse-Bahn zwischen Calw und Weil der Stadt geht mit dem Fahrplanwechsel in den Vollbetrieb. Werktags wird der bisherige Stundentakt zwischen 5 und 19 Uhr auf einen Halbstundentakt ausgeweitet. Darüber hinaus werden Züge in Zeiten ohne Betrieb der Stuttgarter S-Bahn-Linie S62 bis nach Renningen verlängert. Pendler erhalten dort bessere Anschlüsse in Richtung Böblingen und Sindelfingen.

Die Verbesserungen kommen zu einem Zeitpunkt, an dem die Deutsche Bahn weiterhin mit erheblichen Pünktlichkeitsproblemen kämpft. Im Jahresdurchschnitt strebt der Konzern eine Pünktlichkeitsquote von sechzig Prozent an. Dabei gelten in Baden-Württemberg die meisten Züge als pünktlich, wenn sie höchstens 3 Minuten und 59 Sekunden später als geplant am Ziel ankommen. Bahn-Chefin Evelyn Palla sieht die sanierungsbedürftige Infrastruktur als Hauptursache für viele Verspätungen. Mit einer umfassenden Restrukturierung und Einsparungen von jährlich 500 Millionen Euro soll die Bahn langfristig zuverlässiger werden.

(Quellen: Verkehrsministerium Baden-Württemberg, eigene Recherche der KA-Insider-Redakteure)