
Die Hiobsbotschaft ist jetzt offiziell: Eine Klinik muss endgültig schließen – und zahlreiche Mitarbeiter bangen um ihre Zukunft. Trotz letzter Rettungsversuche steht das Aus für den Standort fest.
Noch kämpft eine Klinik am Bodensee ums Überleben – doch hinter den Kulissen ist die Entscheidung offenbar längst gefallen. Für hunderte Beschäftigte beginnt jetzt das Zittern.
Entscheidung gefallen: Klinik Tettnang macht dicht
Der Medizin Campus Bodensee (MCB), zu dem die Krankenhäuser in Friedrichshafen und Tettnang gehören, steckt bereits seit Jahren tief in den roten Zahlen. Nach langer Vorbereitung hatte der Klinikverbund im vergangenen Jahr Insolvenz in Eigenverwaltung angemeldet. Ziel war eigentlich eine grundlegende Neuaufstellung, damit beide Standorte mit ihren rund 1.700 Beschäftigten erhalten bleiben können. Doch inzwischen hat sich die finanzielle Lage offenbar weiter dramatisch verschlechtert.
Wie der MCB nun in einer aktuellen Mitteilung bestätigt, wird die Klinik Tettnang spätestens zum 31. Mai 2026 ihren Betrieb einstellen. Eine Schließung zum 30. April konnte zwar kurzfristig verhindert werden – endgültig abgewendet werden konnte das Aus aber nicht. Die Stadt Friedrichshafen sprang noch einmal finanziell ein, um den Betrieb für einen weiteren Monat zu sichern. Doch selbst diese Überbrückung ändert nichts mehr an der Entscheidung des Gläubigerausschusses. Für die rund 325 Mitarbeiter des kleineren MCB-Standortes bedeutet das einen massiven Einschnitt. Mit dem Betriebsrat sollen nun Verhandlungen über einen Sozialplan beginnen. Schon seit der Insolvenzanmeldung Ende 2025 wurden in Tettnang mehrere Abteilungen geschlossen. Darunter die Innere Medizin und die Geburtsstation. Sollte das Personal in den kommenden Wochen nicht mehr ausreichen, könnte der Betrieb sogar noch früher eingestellt werden.
Kliniksterben in Deutschland spitzt sich zu
Ob man das Gebäude in Tettnang später komplett schließt oder möglicherweise als ambulantes Operationszentrum nutzt, ist noch offen. Darüber will man am 13. Mai in einer öffentlichen Sitzung des Kreistags im Bodenseekreis entscheiden. Auch die zukünftige Trägerschaft des Klinikverbunds steht dort auf der Tagesordnung. Der Fall ist jedoch kein Einzelfall.
Nach Angaben der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG) schreiben aktuell rund achtzig Prozent der Kliniken rote Zahlen. Etwa ein Drittel der Häuser gilt sogar als von Insolvenz bedroht. Jede sechste Klinik sei stark gefährdet. Besonders kritisch sehen viele Verantwortliche die geplante Streichung staatlicher Ausgleichszahlungen im November. Der Grund für die Dauerkrise liegt laut Experten vor allem in den sogenannten Fallpauschalen: Die gesetzlichen Krankenkassen bezahlen Behandlungen oft nicht kostendeckend. Gleichzeitig leiden viele Kliniken unter jahrelangem Investitionsstau.
(Quellen: eigene Recherche der KA-Insider-Redakteure, SWR, Medizin Campus Bodensee)














