Ramadan in Baden-Württemberg: Gastronomen ändern ihr Angebot

Das Foto eines Iftar-Tisches während des Ramadan. Eine muslimische Familie ist offenbar beim Abendessen zu Hause. Im Hintergrund kann man verschiedenes traditionelles Essen erkennen.
Symbolbild © istockphoto/Raul C

Der Ramadan in Baden-Württemberg stellt muslimische Gastronomen vor eine besondere Herausforderung – sie servieren, während sie selbst hungern. Und nach Sonnenuntergang ist dann gleich doppelt so viel los.

Tagsüber wird in ihrer Küche gekocht, aber gegessen wird erst nach Sonnenuntergang. Der Ramadan in Baden-Württemberg bedeutet für muslimische Gastronomen harte Disziplin zwischen Fasten und Bewirten.

Zwischen Fasten und Servieren: Wenn der Magen knurrt, aber die Gäste warten

Es ist eine besondere Fügung des Kalenders: In diesem Jahr fallen der muslimische Ramadan und die christliche Fastenzeit, die am Aschermittwoch begann, nahezu zeitgleich zusammen. Während für Christen vielerorts Fleischverzicht und Abstinenz im Fokus stehen, bedeutet der heiligste Monat im Islam für gläubige Muslime vor allem eines: Von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang nichts essen, nichts trinken. Doch was macht man, wenn man in einer Gaststätte arbeitet, den ganzen Tag von dampfenden Töpfen und duftenden Speisen umgeben ist – und trotzdem nicht zugreifen darf?

Die Antwort gibt Familie Uzun in Mannheim. Seit über 20 Jahren betreibt sie in der Innenstadt ein türkisches Restaurant. Und ja, sie fasten – trotzdem laufen die Geschäfte ganz normal weiter. Der Magen knurre zu Beginn zwar vernehmlich, doch nach ein paar Tagen gewöhne sich der Körper an den neuen Rhythmus. Besonders schwer wiege in den ersten Tagen der Verzicht auf Flüssigkeit, denn hinter der Theke und am heißen Ofen wird es schnell warm. Kopfschmerzen seien anfangs keine Seltenheit, doch irgendwann stelle sich der Körper um.

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Mehr als bloß Verzicht: Das macht den Ramadan eigentlich erst wirklich aus

Der Fastenmonat verändert aber nicht nur den Körper, sondern auch den Arbeitsalltag spürbar. Viele Gäste verschieben ihr Essen auf die Zeit nach Sonnenuntergang – dann wird gemeinsam mit Familie und Freunden das Fasten gebrochen, das traditionelle Iftar. In der Mannheimer Gaststätte von Familie Uzun sind dann alle Tische reserviert, und es wird mehr Personal gebraucht als sonst. Gewinneinbußen? Fehlanzeige. Die Gäste kommen einfach später.

Für die Betreiber ist der Ramadan viel mehr als bloßer Verzicht. Es gehe um Besinnung, um Dankbarkeit – und vor allem um Gemeinschaft. Wenn die Sonne untergehe, sei man niemals alleine. Das Einladen von Freunden und Familie zum abendlichen Fastenbrechen gehöre einfach dazu. Gastfreundschaft spiele das ganze Jahr eine wichtige Rolle, aber besonders in dieser Zeit.

Während die einen also auf Fleisch verzichten und die anderen auf das Mittagessen, eint sie am Ende vielleicht doch etwas: die Erkenntnis, dass Verzicht auch verbinden kann.

(Quellen: Angaben des Restaurants, Berichterstattung zum Ramadan in Baden-Württemberg)