Schule neu: Baden-Württemberg verlegt Unterricht ins Freie

Füße von Kindern baumeln an einem Baumstamm herunter. Die Kinder sind offensichtlich auf einer Wanderung durch den Wald. Die Sonne scheint zwischen den Bäumen hindurch. In Baden-Württemberg verlegt man den Unterricht nun ins Freie.
Symbolbild © istockphoto/SerrNovik

Baden-Württemberg verlegt den Unterricht an die frische Luft. Immer mehr Schulen im Land entdecken den Wald als Klassenzimmer. Die Natur wird somit zum Lernort – und das nicht nur für Biologie.

Mathe mit Nüssen, Deutsch unter Bäumen. In Baden-Württemberg verlegt man den Unterricht zunehmend nach draußen. Ein Trend, der zeigt: Lernen kann man überall – man muss sich nur trauen.

Im Wald riecht es nach Bildung: Immer mehr Schulen wagen sich an das neue Konzept

Die Luft riecht nach Wald, unter den Füßen knirscht Laub und vor den Kindern liegen keine Hefte, sondern Nüsse, Stöcke und Moos. Willkommen im neuen Klassenzimmer von Baden-Württemberg, einem Klassenzimmer ohne Wände. Immer mehr Schulen im Land trauen sich raus aus dem Schulgebäude. Was nach Ferienlager klingt, ist ein pädagogisches Konzept. Der Unterricht findet zunehmend dort statt, wo das Leben spielt: im Wald, auf der Wiese oder mitten in der Stadt.

Den Anfang machte vor einigen Jahren die Draußenschule in Ladenburg bei Mannheim. Hier lernen die Kinder nicht nur über die Natur, sie lernen in ihr. Matheaufgaben werden nicht auf Arbeitsblättern gerechnet, sondern mit Nüssen gelegt, die die Kinder selbst gesammelt haben. Der Zahlenraum bis 100 wird so im wahrsten Sinne des Wortes „begreifbar“. Deutschstunden finden im Park statt, Sachkunde auf dem Bauernhof. Das skandinavische Prinzip „Udeskule“ – zu Deutsch Draußenschule – hält Einzug in den Süden Deutschlands. Dass das Kultusministerium dem Modell das Siegel „besonderes pädagogisches Interesse“ verleiht, zeigt: Hier entsteht gerade der Unterricht von morgen.

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Ein Lichtblick im Schulalltag: Wenn Nüsse schlauer machen als Arbeitsblätter

Doch auch staatliche Schulen ziehen nach. Die Theodor-Heuss-Grundschule in Sandhausen hat sich ihr eigenes Waldklassenzimmer eingerichtet. Sechs Bänke, eine Tafel und viel Platz für frische Ideen stehen den Kindern jetzt im Neuwiesenweg zur Verfügung. Möglich machte das ein Gewinnspiel der VR Bank, das die Schule für sich entscheiden konnte.

Die Erfahrungen zeigen: Draußen zu lernen, bedeutet nicht nur frische Luft tanken. Die Kinder sind bewegter, konzentrierter und verknüpfen Wissen mit echten Erlebnissen. Inhalte bleiben besser hängen, weil sie nicht abstrakt aus dem Buch kommen, sondern angefasst und erlebt werden können.Ob sich immer mehr Schulen diese Art von Unterricht abgucken werden? Gut möglich. Denn das Bildungssystem sucht händeringend nach Wegen aus der Krise. Zu starre Strukturen, zu viele Arbeitsblätter, zu wenig Bewegung – am klassischen Unterricht ist zuletzt viel Kritik laut geworden. Und Innovation entsteht nun mal dort, wo jemand den Mut hat, alte Pfade zu verlassen. Der erste Schritt ist jedenfalls getan – mit Nüssen, Stöcken und jeder Menge frischer Luft.

(Quellen: Kultusministerium Baden-Württemberg, Projektangaben, dpa)