
Stuttgart 21 kommt offenbar noch später als zuletzt geplant: Die Deutsche Bahn rechnet erst im Jahr 2031 mit einer Eröffnung. Neue Pannen sorgen für die nächste Verzögerung.
Erst hieß es 2026, dann 2030 – und nun droht die nächste Verschiebung. Für eines der umstrittensten Bauprojekte Deutschlands gibt es erneut schlechte Nachrichten.
Neue Pläne für den Bahnknoten
Nach jahrelangen Verzögerungen und explodierenden Kosten steht nun offenbar die nächste Terminverschiebung bei Stuttgart 21 bevor. Laut Teilnehmerkreisen im Verkehrsausschuss des Bundestages rechnet die Deutsche Bahn inzwischen mit einer Inbetriebnahme des neuen Tiefbahnhofs erst im Dezember 2031. Damit würde sich der Start um weitere fünf Jahre verschieben. Dabei hat man bereits die geplante Teil-Eröffnung Ende 2026 abgesagt. Damals galt das Jahr 2030 noch als realistischer Termin.
Bahnchefin Evelyn Palla und Stuttgart-21-Projektleiter Klaus Müller sollen den Abgeordneten ein neues Inbetriebnahmekonzept vorgestellt haben. Demnach sollen Fahrgäste bereits ab Ende 2027 von kürzeren Laufwegen im Stuttgarter Hauptbahnhof profitieren. Wenn der Tiefbahnhof Ende 2031 schließlich den Betrieb aufnimmt, soll der bisherige Kopfbahnhof zunächst weiter genutzt werden. Erst Mitte 2032 ist dessen endgültige Stilllegung vorgesehen. Die wichtige Anbindung der Gäubahn soll sogar erst im Dezember 2033 folgen. Dabei baut man an Stuttgart 21 bereits seit dem Jahr 2010. Das Projekt umfasst weit mehr als nur den Umbau des Hauptbahnhofs. Geplant sind neue Bahnhöfe, darunter ein Fernbahnhof am Flughafen, zahlreiche Tunnel, Brücken, Durchlässe und viele Kilometer neuer Gleise.
Pannen, falsche Kabel und steigende Kosten
Als Gründe für die erneute Verzögerung gelten unter anderem Probleme beim Folgeprojekt „Digitaler Knoten Stuttgart“. Für das digitale Zugsicherungssystem ETCS sollen falsche Kabel verlegt worden sein. Hinzu kamen weitere Schwierigkeiten auf der Baustelle des Tiefbahnhofs. Auch finanziell droht die nächste Hiobsbotschaft. Nach aktuellen Einschätzungen könnte das Projekt um bis zu drei Milliarden Euro teurer werden als bisher angenommen. Im ursprünglichen Finanzierungsvertrag von 2009 lagen die Gesamtkosten noch bei rund 4,5 Milliarden Euro.
Der gesamte Bahnknoten Stuttgart soll als erster in Deutschland vollständig digitalisiert werden. Fernzüge, Regionalbahnen und S-Bahnen sollen künftig ausschließlich mit dem europäischen Zugsicherungssystem ETCS unterwegs sein. Klassische Lichtsignale wird es dort dann nicht mehr geben. Ein kleiner Trost für die Verantwortlichen: Die Zahl 21 im Projektnamen steht für das 21. Jahrhundert. Selbst bei einer Fertigstellung im Jahr 2031 läge Stuttgart 21 also noch immer im vorgesehenen Jahrhundert.
(Quelle: SWR)













