
Ein jahrelang zurückliegender Terrorverdacht sorgt in Baden-Württemberg für Aufsehen. Im Ortenaukreis griffen Ermittler zu. Ein Mann wurde festgenommen, gegen den die Bundesanwaltschaft schwere Vorwürfe erhebt.
Ein jahrelang zurückliegender Verdacht holt einen Mann in Baden-Württemberg ein. Jetzt griffen Ermittler zu – und hinter dem Fall steckt eine brisante Geschichte.
Ermittler sehen dringenden Tatverdacht
Ein Einsatz der Ermittler im Ortenaukreis sorgt für Aufsehen. Am Donnerstag klickten für einen Mann die Handschellen. Nach Angaben der Bundesanwaltschaft handelt es sich bei dem Festgenommenen um einen Iraker, der im Verdacht steht, Mitglied der Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) gewesen zu sein. Beamte des Landeskriminalamts Baden-Württemberg nahmen den Mann fest. Anschließend wurde er dem Ermittlungsrichter des Bundesgerichtshofs in Karlsruhe vorgeführt. Dieser eröffnete ihm den Haftbefehl und ordnete Untersuchungshaft an.
Die Bundesanwaltschaft wirft dem Beschuldigten vor, sich spätestens im April 2016 im Irak dem IS angeschlossen zu haben. Nach bisherigen Erkenntnissen soll er bis ins Frühjahr 2017 einer Kampfeinheit der Terrororganisation angehört und dort im Einsatz gewesen sein. Dem Mann wird vorgeworfen, sich zunächst als Heranwachsender und später als Erwachsener mitgliedschaftlich in einer terroristischen Vereinigung im Ausland betätigt zu haben. Als Heranwachsender gelten im deutschen Strafrecht Personen, die bereits achtzehn, aber noch keine 21 Jahre alt sind.
Warum solche Festnahmen jetzt häufiger werden
Nach Einschätzung von Experten handelt es sich um einen sogenannten IS-Altfall. Gemeint sind dabei Verfahren gegen mutmaßliche frühere Mitglieder der Terrororganisation, deren mögliche Taten viele Jahre zurückliegen und überwiegend im Ausland begangen worden sein sollen. Dass es derzeit vermehrt zu solchen Fällen kommt, hat einen besonderen Hintergrund. In den vergangenen Jahren tauchten im Irak Listen sowie personalaktenähnliche Dokumente auf. Diese enthalten Hinweise auf Personen, die sich dem IS angeschlossen haben könnten.
Der sogenannte „Islamische Staat“ zählt zu den weltweit gefährlichsten Terrororganisationen, denn nach einer Studie war der IS auch 2024 für mehr als 1.800 Todesopfer verantwortlich. Besonders Syrien bleibt dabei von der Gewalt der Terrorgruppe betroffen. Die Organisation verfolgt das Ziel, ein Kalifat zu errichten – also einen islamischen Gottesstaat, in dem man die Scharia nach ihrer extremistischen Ideologie auslegt. Mitglieder und Ableger des IS verüben weltweit immer wieder Anschläge und richten ihre Gewalt gegen Menschen, die sie als „Ungläubige“ bezeichnen.
(Quellen: Bundesanwaltschaft, dpa, eigene Recherche der KA-Insider-Redakteure)














