
Traditionsreich, fest verwurzelt und doch unter Druck: Ein großer Industriebetrieb streicht zahlreiche Stellen in Baden-Württemberg – was hinter dem geplanten Jobabbau steckt und wen die schlechte Nachricht nun trifft.
Es beginnt leise, fast unscheinbar – doch hinter verschlossenen Türen reift eine Entscheidung, die für eine ganze Region spürbare Folgen haben könnte.
Wenn der Markt schwächelt, wird es ernst
Jahrzehntelang galt der Name Witzenmann als fester Anker in Pforzheim. Ein Traditionsbetrieb mit Tausenden Arbeitsplätzen und internationalem Ruf. Doch nun zeigt sich: Auch starke Namen sind nicht immun gegen die harte Realität der Konjunktur. Am 28. Januar machte die Witzenmann-Gruppe öffentlich, was intern längst Thema war. Der Metallspezialist mit Hauptsitz in Baden-Württemberg reagiert auf spürbare Umsatzrückgänge. Schon im Oktober 2025 war klar geworden, dass am Hauptstandort Stellen entfallen würden.
Jetzt steht fest, wie groß der Einschnitt ausfällt. Nach langen und intensiven Verhandlungen einigte sich die Geschäftsführung mit der IG Metall auf ein umfassendes Maßnahmenpaket. Herzstück ist ein Ergänzungstarifvertrag, der den geplanten Stellenabbau sozialverträglich gestalten soll. Für viele Beschäftigte bedeutet das: freiwilliger Abschied statt Kündigung. Altersteilzeit, Vorruhestand und Abfindungen sollen den Übergang erleichtern. Doch der Preis ist hoch. Einzelne tarifliche Leistungen entfallen, und die für das Frühjahr 2026 geplante Entgelterhöhung wird auf Oktober verschoben.
Hunderte Jobs weg – Hoffnung durch Investitionen
Konkret betrifft der Stellenabbau 230 Mitarbeiter am Standort Pforzheim, inklusive der Werke in Kieselbronn und Remchingen. Bei aktuell rund 1.650 Beschäftigten entspricht das fast vierzehn Prozent der Arbeitsplätze. Der Abbau soll schrittweise bis 2029 erfolgen. Die Ursachen liegen tiefer: Die Konjunkturschwäche im europäischen Heimatmarkt, sinkende Stückzahlen bei Bauteilen für Verbrennungsmotoren und der schleppende Start neuer Produkte haben die Umsätze deutlich gedrückt.
Auch die Branche insgesamt tritt auf der Stelle. Deutschlands Stahl- und Metallverarbeiter verzeichneten im ersten Halbjahr 2025 ein Produktionsminus von 3,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Immerhin: Im Gegenzug zum Sparkurs sagt die Geschäftsführung Investitionen von 49 Millionen Euro für 2026 und 2027 zu. Ein Signal, dass Witzenmann an den Standort glaubt – auch wenn die kommenden Jahre für viele Beschäftigte von Unsicherheit geprägt sein werden.
(Quellen: eigene Recherche der KA-Insider-Redakteure)














